Auf der internationalen Jazzfachmesse jazzahead! in Bremen wurde heute zum vierten Mal der Preis für deutschen Jazzjournalismus vergeben. Der diesjährige Preisträger ist Martin Laurentius, der den Preis persönlich vor Ort entgegen nahm. "Reaktionen auf die Arbeit von Jazzjournalisten sind eher die Ausnahme - bei den Auftraggebern ebenso wie bei Musikern oder Lesern. Das ist auch gut so, weil wir dadurch eine professionelle Distanz zur Szene bekommen. Deshalb ist es umso schöner, meine Distanz fahrenzulassen und für einen kurzen Moment selbst im Rampenlicht zu stehen, weil ich mit dem Preis einerseits für mein "tagtägliches“ Kleinklein der teils mühsamen Arbeit am Schreibtisch ausgezeichnet werde, andererseits die Qualität meiner journalistischen Themen und meines Schreibens gewürdigt und anerkannt wird.“, so der Preisträger.

Die Wahl begründet Jury-Mitglied, vorheriger Preisträger und Laudator Wolf Kampmann: "Martin Laurentius ist seit vielen Jahren in unterschiedlichen Formaten für Presse, Rundfunk und Festival-Magazine als Jazz-Journalist aktiv. Für seine Hintergrund-Geschichten sucht und findet er immer den größeren gesellschaftlichen Zusammenhang. Er recherchiert präzise und gibt tiefe Einblicke, wo andere an der Oberfläche bleiben. Bei seinen investigativen Recherchen ist er respektvoll, aber unnachgiebig. Er traut sich, unangenehme Fragen zu stellen und gibt sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden, sondern bohrt weiter, bis er zu einem Ergebnis kommt. Jazz ist für ihn weder Selbstzweck noch ein Gütesiegel per se. Wie kaum ein anderer deutscher Jazz-Journalist versteht er sich darauf, die individuelle Einzelleistung in den gesellschaftlichen und kulturpolitischen Kontext zu stellen, strukturelle Probleme des Jazz aufzudecken und die Wechselbeziehungen von Kunst und Politik kritisch zu hinterfragen. Dabei sucht er niemals die Zuspitzung um der Schlagzeile willen, sondern bleibt immer fair, ausgleichend und unaufgeregt an den Fakten orientiert. In seiner Haltung ist er jedoch absolut unkorrumpierbar, selbst wenn sich für ihn daraus persönliche Nachteile ergeben. Er ist somit eine moralische und handwerkliche Autorität im zeitgenössischen Musikjournalismus.“

Martin Laurentius, geboren 1962, studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Soziologie in Bonn. Bereits während seines Volontariats war er Jazzkritiker bei der Bonner und Kölnischen Rundschau. Seit 1995 ist er Redakteur und Autor beim Magazin Jazz thing. Er hat für weitere Musikzeitschriften und zudem Fach-Buchaufsätze geschrieben und war Texter für Werbeagenturen und Plattenfirmen. Martin Laurentius arbeitet regelmäßig als Autor und Moderator für die Jazzredaktion des Westdeutschen Rundfunks sowie weitere ARD-Anstalten und schreibt gelegentlich für "Die ZEIT“. Er ist Mitgründer vom Jazz&Worldpartner e.V. und war mehrere Jahre im Vorstand des Vereins Radio Jazz Research.

Der Preis für deutschen Jazzjournalismus ist ein Element der Förderung von "Jazz made in Germany“ auf der jazzahead! im Rahmen der German Jazz Expo. "Der Preis soll die qualifizierte Berichterstattung über Jazz in deutschen Medien stimulieren“, sagt Ulrich Beckerhoff, aus dem künstlerischen Leitungsteam der jazzahead! über den Preis, "denn nur, wenn über Jazz angemessen berichtet wird, findet diese Musik auch ein breiteres Publikum!“, so Beckerhoff weiter.

Erneut wird der mit 5.000 € dotierte Preis von der Hamburger Dr. E. A. Langner-Stiftung unterstützt, der Sendesaal in Bremen ist Kooperationspartner.

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