Im Rahmen des Reeperbahn Festivals 2022 haben Mitglieder des Forum Veranstaltungswirtschaft in einem Panel verschiedene Zukunftsfragen der Veranstaltungswirtschaft diskutiert. Vier Vertreter:innen der Branchenallianz stellten sich in der Hamburger Festivallocation Angie’s Nightclub den Fragen von Moderator Mike Keller und des Publikums. Im Mittelpunkt stand die Frage: Vor welchen Herausforderungen steht die Veranstaltungswirtschaft, um für die dringend benötigten Fachkräfte attraktiv zu bleiben. Insbesondere durch die Folgen der Corona-Pandemie haben viele qualifizierte Arbeitnehmer:innen die Branche verlassen, neue Kräfte konnten in dieser Zeit nicht akquiriert werden. Umso wichtiger ist es, die Attraktivität der Arbeit im Veranstaltungsbereich zu erhöhen, um die Branche langfristig zukunftssicher aufzustellen.   

„Die Ansprüche von verschiedenen Zielgruppen an ihren Beruf haben sich in den vergangenen Jahren nicht nur auf dem Veranstaltungsmarkt stark verändert und werden dies – vor allem mit Blick auf die Generation Z – in der Zukunft sicher noch weiter tun“, sagt Linda Residovic, Geschäftsführerin des Verbands für Medien- und Veranstaltungstechnik (VPLT). „In der aktuellen Zeit des Fach- und Arbeitskräftebedarfs ist es zwingend erforderlich, dass die Unternehmen auf Bedürfnisse wie beispielsweise flexible Arbeitszeitmodelle, faire Entlohnung sowie Möglichkeiten der persönlichen Entfaltung reagieren. Nur so können wir als Branche langfristig unsere qualifizierten Fachkräfte halten. Wenn die Qualität der Arbeit Vorrang vor der Quantität hat, profitieren davon im Endeffekt alle.“

„Die Dimensionen von Nachhaltigkeit sind vielfältig“, sagt Ilona Jarabek, Präsidentin des Europäischen Verbands der Veranstaltungs-Centren (EVVC). „Neben den aktuellen ökologischen Themen müssen wir uns auch sozialen Aspekten und Anforderungen stellen, die Arbeitnehmer:innen heutzutage zurecht fordern. Dazu zählen auch eine stärkere Wahrnehmung von Diversität in der Gesellschaft sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier sind wir – auch mit Blick auf die Skandinavischen Länder – noch lange nicht am Ende angekommen und müssen weitere Verbesserungen der Rahmenbedingungen erwirken. Wir können nicht alle Probleme gleichzeitig angehen und lösen. Wichtig ist aber, dass wir damit beginnen. Nur wenn wir jetzt anfangen, können wir nachhaltige strukturelle Veränderungen für und in unserer Branche erwirken.“

 „Die Zeiten, in denen Menschen nur aufgrund des (vermeintlichen) Glitter und Glamour für einen Job in unserer Branche brannten, sind vorbei”, ergänzt Prof. Jens Michow, Präsident des Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV). „Die Lebensideale haben sich geändert. Solange wir darauf nicht reagieren, werden wir weitere Fachkräfte und Arbeitnehmer:innen verlieren.” Allerdings sei ihm bei den zahlreichen Panels beim Reeperbahn Festival, in denen es immer wieder um so wichtige Themen wie Nachhaltigkeit, Klimaneutralität, Diversität und Gendergerechtigkeit ging, einmal mehr deutlich geworden, worauf die Veranstaltungsunternehmen nun endlich ihren Fokus richten müssen. „Die Veranstaltungswirtschaft wird in extremem Maße durch Männer dominiert. Es ist höchste Zeit, dass wir Anstrengungen unternehmen, um zu fairen Bedingungen mehr Frauen für die Branche zu begeistern. Da schlummert ein unglaubliches Potential.”

„Wir müssen anfangen, die verschiedenen Themen in einem noch breiteren Kontext und vor allem noch viel häufiger zu diskutieren“, ergänzt Marcus Pohl, 1. Vorsitzender der Interessenvertretung der Selbstständigen Einzelunternehmer:innen (ISDV). „Die Kontroverse auf der Bühne und das Feedback  aus dem Publikum haben ganz deutlich gezeigt, dass sich im Grunde alle der aktuellen Herausforderungen bewusst sind. Nun gilt es, diese aktiv anzugehen. Dafür war das Panel im Rahmen des Reeperbahn Festivals ein guter Grundstein, den wir jetzt weiter vorantreiben müssen.“

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