In Deutschland gibt es nach den Erhebungen des MIZ (Musikinformationszentrum des Deutschen Musikrates) aktuell rund 60.000 organisierte Chöre mit etwa 2,3 Mio. aktiven Sängerinnen und Sängern. Bis zu 700.000 Kinder und Jugendliche singen regelmäßig in 15-20.000 Chören und anderen Gruppen.

Deutschland weist durch den demografischen Wandel insbesondere in den Ballungsgebieten und unter der nachwachsenden Generation einen weiter steigenden Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund auf. Chöre müssen sich diesen Menschen schon um der eigenen Zukunft willen öffnen. Aber diese Bevölkerungsgruppen haben auch ein Recht, an der reichen Tradition des chorischen Musizierens in allen seinen Ausprägungen und mit allen seinen Chancen zur Persönlichkeitsentwicklung und Lebensgestaltung zu partizipieren.

Viele Einzelbeobachtungen sprechen dafür, dass in der herkömmlich organisierten Chorszene Menschen mit Migrationshintergrund, jedenfalls aus außereuropäischen Traditionen, unterrepräsentiert sind. Trifft das zu? Und wenn ja, woran liegt das? An unterschiedlichen musikalischen Traditionen, unterschiedlichen Kulturbegriffen, unterschiedlicher Nähe zum aktiven chorischen Musizieren, an der gesungenen Literatur oder an noch anderen Faktoren?

In der Projektlaufzeit von Oktober 2014 bis April 2016 hat sich der AMJ in einem Untersuchungs- und Diskursvorhaben unter dem Titel "Chormusikkultur und Migrationsgesellschaft – Projekt zur Erkundung und Entwicklung der Möglichkeiten, Kinder und Jugendchöre als Orte interkulturellen Lernens zu gestalten“ zur Aufgabe gemacht, diese Fragen zu bearbeiten. Dabei wurden auch Ansätze zu entwickelt, wie die musikalische Kulturarbeit mit Kindern und Jugendlichen pädagogisch auch unter diesen Aspekten sinnvoll zu gestalten ist.

Expertenbefragung, bundesweite Umfrage unter Kinder- und JugenchorleiterInnen, Fachtagung und Projektpublikation

Nach einer Befragung von LeiterInnen von Kinder- und Jugendchören und anderen ExpertInnen des Themas in leitfadengestützten Interviews bis Anfang 2015 fand im Zeitraum Juni-Juli 2015 eine bundesweite Befragung von ChorleiterInnen von Kinder- und Jugendchören statt.

Teile der Untersuchungsergebnisse wurden am 27./28. Oktober 2015 auf einer Fachtagung in Kooperation mit der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel vorgestellt sowie im Hinblick auf ihre Bedeutung bzw. die daraus entstehenden pädagogischen, kulturellen und politischen Handlungsperspektiven diskutiert.

Anfang Mai 2016 erschien das Buch zum Projekt:
Chormusik und Migrationsgesellschaft. Erhebungen und Überlegungen zu Kinder- und Jugendchören als Orte transkultureller Teilhabe. Hrsg. v. Karl Ermert. Wolfenbüttel: Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel 2016. (= Wolfenbütteler Akademie-Texte Bd. 66), 332 Seiten, 24,- €, Bestellungen über den Buchhandel (ISBN 978-3-929622-66-9)

Das Buch präsentiert in 20 Beiträgen von 24 AutorInnen Erkenntnisse und Überlegungen für Praxis und Theorie. Es dokumentiert die Untersuchungen des Forschungsprojektes und ihre Ergebnisse, die Beiträge aus der gemeinsam mit der Bundesakademie Wolfenbüttel durchgeführten Tagung sowie weitere Beiträge von ExpertInnen für Theorie und Praxis des Themas. Ein Inhaltsverzeichnis der Publikation finden Sie hier.

Eine Online-Version der Projektpublikation im pdf-Format sowie den dazugehörigen Anhang können Sie hier downloaden.

Für Fragen und Hinweise können Sie uns hier eine E-Mail senden.

Projektbetreuung

Die praktische wissenschaftliche Bearbeitung dieses Projekts lag in den Händen von Niklas Büdenbender. Er ist ausgebildeter Gymnasial-Lehrer für Musik und Englisch und forschte vor dem AMJ-Projekt am Institut für Musik der Universität Oldenburg mit dem Schwerpunkt Musikpsychologie über die Bekanntheit und Erkennung von Melodien. Als leidenschaftlicher Sänger hat er viele Jahre im Bach-Chor Hagen gesungen sowie in verschiedenen anderen Chören mitgewirkt. Solistisch ist er u.a. im vierköpfigen Dortmunder Barbershop-Ensemble "Volle Tönung" tätig. Nach seiner Zeit als Projektreferent beim AMJ arbeitet er wieder als Gymnasiallehrer, derzeit in Hagen.

Die Projektleitung lag bei Dr. Karl Ermert, Bundesvorsitzender des AMJ (karl.ermert@amj-musik.de).

Das Projekt wurde von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziell gefördert und u.a. durch den Deutschen Musikrat, die Bundesvereinigung deutscher Chorverbände, den Bundesverband Musikunterricht, die Deutsche Chorjugend, den Verband deutscher Musikschulen sowie den Lehrstuhl für systematische Musikwissenschaft der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg ideell unterstützt.

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