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Bettina Bohle  
Foto:  Lena Ganssmann

Seit 1990 leitete Dr. Wolfram Knauer das Darmstädter Jazzinstitut, das sich seitdem zu einer der bedeutendsten Anlaufstellen für Forschende und Kreative im Bereich des Jazz und der improvisierten Musik außerhalb der USA entwickelt hat. Mit der promovierten Sprachwissenschaftlerin Bettina Bohle wird künftig eine gebürtige Berlinerin die renommierte Einrichtung der Wissenschaftsstadt Darmstadt führen.

Bettina Bohle studierte Musik(wissenschaft), griechische Philologie und Philosophie in Greifswald, Glasgow, Padua und London. Ihre Promotion erlangte sie an der Freien Universität Berlin und war mehrere Jahre im Bereich Antike Philosophie und Literaturtheorie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und PostDoc an verschiedenen Universitäten in Deutschland beschäftigt. In diesem Kontext gründete sie die literaturtheoretisch orientierte Online-Zeitschrift eisodos mit und organisierte Workshops für Nachwuchswissenschaftlerinnen im Bereich Philosophie. In den letzten Jahren konzentrierte sie ihre Publikationstätigkeit zunehmend auf jazzbezogene Studien. Als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats wirkte sie etwa an der Jazzstudie 2022 mit und verfasste den Länderreport des Europe Jazz Network für Deutschland.

Bis Februar 2024 leitete sie das Umsetzungsprojekt für ein Zentrum für Jazz und Improvisierte Musik in Berlin. Die Konzeption und Organisation dieses Projekts verantwortete sie von Beginn an zu einem wesentlichen Teil mit. Nebenher war sie als freie Projektmanagerin bei der Initiative Musik tätig. Dort bereitete sie die erste Ausgabe des Deutschen Jazzpreises konzeptionell und organisatorisch vor. Sie betrieb mehrere Jahre den Jazzblog JAZZAffine mit zugehörigem wöchentlichem Newsletter.

Bohle ist Lehrbeauftragte am Institut für Musik und Musikwissenschaft der Universität Hildesheim und bietet dort Kurse im Themenkreis Jazz mit Schwerpunkten in Kulturpolitik, Philosophie und Soziologie an. Seit 2019 ist Bohle zudem eine der Sprecherinnen der Bundeskonferenz Jazz und damit maßgeblich an der Erstellung des Berichts zur Situation des Jazz in Deutschland beteiligt, der 2024 erscheinen wird.

Ihre künftige Aufgabe sieht sie wie folgt: "Als Direktorin des Jazzinstituts Darmstadt werde ich mich dafür einsetzen, die Bedeutung des Jazz und der Improvisierten Musik als wichtige Stimme in allgemeinen Kulturdebatten weiter zu stärken. Ich möchte außerdem den Jazz stärker mit anderen Gesellschaftsthemen verbinden. Die Menschen aus der Stadtgesellschaft und darüber hinaus will ich noch stärker auf die Wirkungsfelder und Angebote des Jazzinstituts aufmerksam machen und sie dafür begeistern."