Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg stellt über 500.000 Euro aus dem Innovationsfonds Kunst bereit. Unterstützt werden damit 30 Vorhaben aus der Förderlinie „Interkultur“ und der zum zweiten Mal ausgeschriebenen neuen Förderlinie „Kulturprojekte zur Integration und Partizipation von Flüchtlingen“.

Den beiden unabhängigen Jurys lagen insgesamt 128 Anträge zur Entscheidung vor.

Kunststaatssekretär Jürgen Walter: „Die gesellschaftliche Herausforderung, die durch den Zustrom von Flüchtlingen und perspektivisch durch eine multikulturelle Gesellschaft erwächst, ist immens. Die gegenwärtige Entwicklung wird dieses Land dauerhaft verändern. Wir können deshalb nicht auf den gestaltenden Beitrag von Kunst und Kultur verzichten. Sie sind wichtige Handlungsfelder im Bereich der Integration. Sie ermöglichen eine produktive Problematisierung von Reizthemen und geben uns die Möglichkeit, eine reflektierte Auseinandersetzung um den besten Weg oder das beste Ziel zu führen.“

Mit dem Innovationsfonds Kunst, so Walter, sei es gelungen, „die Kulturlandschaft in produktive Schwingung zu versetzen“. Die kontinuierlich große Resonanz und die vielen guten Projektideen seien ein Beleg für das enorme Interesse und kreative Potenzial der Kunst- und Kulturschaffenden.

Im Zentrum der beiden Förderlinien stehen künstlerische und kulturpädagogische Projekte, die der besonderen Lebenssituation von Migranten und Flüchtlingen Rechnung tragen. Unterstützt werden Kunst- und Kulturprojekte, die beispielsweise den Dialog zwischen verschiedenen Kulturen betonen, Kooperationen und Vernetzungen fördern, partizipativ arbeiten und eine Willkommens- und Anerkennungskultur vermitteln.

Die eingereichten Projektanträge decken ein breites Spektrum der Kunstsparten ab - von Theater, Musik, Graphic Novel über Bildende Kunst, Street Culture bis hin zu Film und Medien. Ebenso vielfältig sind die Zielgruppen der Projekte, die vom Kind über unbegleitete Jugendliche, Familien, sowie für Frauen und Männer jeden Alters reichen.

Die Jurymitglieder haben besonders die Projekte überzeugt, die eine unkomplizierte Beteiligung und Partizipation möglich machen. Wichtig war weiter, dass die Projekte auf Nachhaltigkeit und Modellhaftigkeit angelegt sind und ein Impulspotenzial mit hoher Strahlkraft besitzen.

Förderlinie Kulturprojekte zur Integration und Partizipation von Flüchtlingen

„Besonders freut mich, dass die speziell für Flüchtlinge geschaffene Förderlinie erneut großen Anklang gefunden hat. Damit ermöglichen wir es den Menschen, ihre eigenen Erfahrungen und biografischen Hintergründe direkter und persönlicher mitzuteilen und unterstützen die kulturelle wie gesellschaftliche Teilhabe“, so Walter.

Die Förderentscheidungen ergingen einstimmig. Zu den ausgewählten Projekten gehört beispielsweise ein Street Culture Projekt in Heidelberg für junge Flüchtlinge. In verschiedenen Workshops mit lokalen und internationalen Künstlern aus den Bereichen Graffiti, Rap und Poetry Slam werden zeitgenössische Ausdrucksformen entwickelt und die Ergebnisse bei einem mehrtägigen Festival präsentiert.

Projekte in Stuttgart und Tübingen setzen sich gezielt mit der Situation von geflüchteten Frauen und Künstlerinnen auseinander und versuchen neue Handlungsspielräume und Ressourcen auszuloten. Darüber hinaus gibt es Projekte, die über Musik und den Bau von Instrumenten aktiv bei der Integration von Flüchtlingen und Migranten wirken.

Förderlinie Interkultur

Den interkulturellen Dialog voranzutreiben, ist eine der wichtigsten kulturpolitischen Aufgaben unserer Zeit. „Unser Ziel ist, die Künste und Kulturen anderer Länder in unsere Gesellschaft hinein zu vermitteln und Raum für neue kulturelle Ausdrucksformen zu schaffen“, sagt Walter. Ein wichtiger Aspekt hierbei sei die fortschreitende interkulturelle Öffnung von Institutionen, Vereinen und Verbänden. Bei den Vorhaben, die vom Innovationsfonds unterstützt werden, zeige sich dies insbesondere am Beispiel von Musikverbänden, die mit ihren vielen Mitgliedern als Multiplikatoren fungieren, die flächendeckend zur kulturellen Teilhabe und zum Dialog über das Medium Musik beitrügen.

Ein Projekt des Landesmusikverbandes hat es sich beispielsweise zum Ziel gesetzt, in mehreren Phasen die interkulturellen Öffnung der eigenen Institution voranzubringen und neue Zielgruppen zu erschließen. Das Vorhaben beinhaltet auch die Aufnahme von musikkulturellen Beiträgen von Migranten in ganz Baden-Württemberg sowie ein partizipatives Musikprojekt. Die Dokumentation des Projektes macht die Ergebnisse für alle Amateurmusikverbände nutzbar.

Ein weiterer Themenschwerpunkt setzt sich mit dem Begriff Heimat und dessen veränderter Wahrnehmung vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels auseinander. Ein Projekt in Stuttgart geht dieser Fragestellung durch die Bildung interkultureller Künstlertandems nach. 2016 soll dabei im Rahmen einer monatlichen Veranstaltungsreihe zum Thema „Heimat:Werte“ der Fokus auf das Cross-Over der Kulturen, Religionen und künstlerischen Sparten gerichtet werden.

Viele Menschen haben infolge von Kriegen, Flucht und Migration keinen Zugang mehr zu ihrem originären Beitrag zur Weltkultur. In Mannheim soll der Zugang zum kulturellen Erbe der eigenen Heimat wieder zugänglich gemacht werden, indem Objekte, Orte oder Traditionen, die das beste und wertvollste der ursprünglichen Heimat von Migranten repräsentieren, in der Stadt ausgestellt und präsentiert werden.

Hintergrund

Der Innovationsfonds Kunst ist ein wichtiger Baustein in der Kulturpolitik der Landesregierung. Er schafft Spielräume für neue Ideen, Ansätze und Entwicklungen in allen Sparten des Kulturbereichs. Um weitere Aktivitäten zu ermöglichen, läuft derzeit die nächste Ausschreibungsrunde zu den Projektlinien "Innovative Kunst- und Kulturprojekte", "Projekte mit Schwerpunkt Kultureller Bildung" und "Kunst und Kultur für das ganze Land". Bis 10. Januar 2016 können die Kulturschaffenden hierzu ihre Anträge einreichen.