Erstmals wurde die Bach-Medaille der Stadt Leipzig an zwei Wissenschaftler vergeben: Die beiden renommierten Bach-Forscher Prof. Dr. Hans-Joachim Schulze und Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Christoph Wolff wurden im Rahmen des Bachfestes Leipzig durch den Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung und den Direktor des Bach-Archivs Leipzig, Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny, ausgezeichnet. Die Bach-Medaille wird seit 2003 jährlich durch die Stadt Leipzig vergeben, bisher wurden ausschließlich Musikerinnen, Musiker und Ensembles geehrt.

Mit der Medaille werden die Verdienste der beiden Wissenschaftler um die Erforschung von Leben und Wirken Johann Sebastian Bachs, die Vermittlung von dessen Musik sowie deren gemeinsam erzielten großartigen Ergebnisse gewürdigt. Dies entschied eine Jury, bestehend aus dem Präsidenten des Bach-Archivs, Prof. Dr. Ton Koopman, dessen Direktor, Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny, dem Leipziger Thomaskantor Gotthold Schwarz, dem Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons und dem vormaligen Rektor der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy«, Prof. Martin Kürschner.

Die Verleihung fand am 17. Juni Pandemie-bedingt im Rahmen eines nichtöffentlichen Festaktes im Bachfest Leipzig 2021 statt. Dieser wird am 20. Juni 2021 gemeinsam mit dem Abschlusskonzert des Festivals auf www.bachfromhome.live gestreamt.

Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, würdigte die beiden Wissenschaftler in seiner Ansprache:

»Als so glücklich aufeinanderfolgende Direktoren des Bach-Archives, als international anerkannte Wissenschaftler und Vermittler des Erbes von Bach verdanken wir Prof. Hans-Joachim Schulze und Prof. Christoph Wolff die herausragende und zentrale Verankerung Leipzigs in der weltweiten Bachforschung. Wir sind stolz, dass Leipzig weltweit als die Bachstadt bekannt ist – für Wissenschaftler, Forscher, Experten gleichermaßen wie für Musiker und Musikliebhaber sie ein Anziehungspunkt ist. Das haben sie beide maßgeblich befördert, gesteuert und mit wegweisenden Inhalten versehen.«

Prof. Dr. Hans-Joachim Schulze, geboren 1934 in Leipzig, und Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Christoph Wolff, geboren 1940 in Solingen, haben die Bach-Forschung seit 60 Jahren auf beeindruckende Weise geprägt: Neben zahlreichen Veröffentlichungen zu Johann Sebastian Bach, Quellenfunden und Noteneditionen sorgten die Wissenschaftler auch für eine kontinuierliche Zusammenarbeit der Bach-Forschung über den Eisernen Vorhang hinweg: Zwischen 1975 und 2005 gaben sie gemeinsam das Bach-Jahrbuch heraus und sorgten dafür, dass die Forscher am Leipziger Bach-Archiv in DDR-Zeiten nie den Anschluss zu den internationalen Kollegen verloren haben und in Leipzig Bach-Forschung auf höchstem Niveau möglich blieb. Nach dem Fall der Mauer leiteten beide aufeinanderfolgend als Direktor das Bach-Archivs Leipzig: Hans-Joachim Schulze von 1992 bis 2000 und Christoph Wolff von 2001 bis 2013.

Wegen besonderer Verdienste um die Pflege des Bachschen Werks wurde die Bach-Medaille der Stadt Leipzig im Rahmen vergangener Bachfeste unter anderem an Angela Hewitt (2020), Klaus Mertens (2019), Robert Levin (2018), Reinhard Goebel (2017), Masaaki Suzuki (2012), Herbert Blomstedt (2011), Philippe Herreweghe (2010), Frieder Bernius (2009), Nikolaus Harnoncourt † (2007), Ton Koopman (2006), Sir John Eliot Gardiner (2005), Helmuth Rilling (2004) und Gustav Leonhardt † (2003) verliehen.

Mit dem Bachfest ehrt die Stadt Leipzig jährlich im Juni den bedeutenden Thomaskantor Johann Sebastian Bach. Sie folgt damit einer Tradition der Bachpflege, die bereits durch Felix Mendelssohn Bartholdy begründet wurde. In dieser Saison steht Leipzigs bedeutendstes Musikfest unter dem Motto »Erlösung« und findet vom 11. bis 20. Juni Pandemie-bedingt als Hybrid-Festival statt.

www.bachfestleipzig.de