ECLAT 2015 präsentiert in vier Tagen ein breit gefächertes Spektrum von 16 Ur- und Erstaufführungen. Eröffnet wird am 5. Februar mit „Buenos Aires“ von Simon Steen-Andersen – ein Musiktheater, in dem der Komponist die Absurdität des Operngesangs thematisiert. In dem Science-Fiction-Setting geht es um Widerstand, Diktatur, Zensur sowie um Klischees und Popkultur. Die Neuen Vocalsolisten erobern sich in dem Stück ihre Ausdrucksmöglichkeiten mittels Stimmgeneratoren, Kompressoren und Verfremdungsgeräten. Nach der erfolgreichen Uraufführung beim Festival Ultima Oslo 2014 und einer vierteiligen Tournee im November 2014 findet „Buenos Aires“ bei ECLAT als Deutsche Erstaufführung statt. (5. Februar 20 Uhr und 6. Februar 22.30 Uhr)

Steen-Andersens Umgang mit der Oper ist typisch für die lustvolle Kritik, mit der die junge Avantgarde derzeit der musikalischen Tradition begegnet. Wo Komponisten vor wenigen Jahren noch den unbedingten Aufbruch verkündeten, steht heute ein ironischer, aber auch liebevoller Blick zurück. Einige solcher Rückblicke sind bei ECLAT 2015 zu erleben. Im Konzert mit dem SWR Vokalensemble Stuttgart stellt die junge Komponistin Oxana Omelchuk ihre „Gaunerlieder“ mit geschickt verfremdeten folkloristischen Bezügen vor. Und Philippe Manoury, einer der großen französischen Spektralisten seiner Generation, hat mit „Geistliche Dämmerung“ auf der Grundlage von Georg-Trakl-Gedichten ein zutiefst existenzialistisches Werk geschaffen. Neue Werke von Stefan Prins, Misato Mochizuki und Andreas Dohmen stellt das Ensemble Accanto vor. (6. Februar 19 Uhr)

Das Konzert der Neuen Vocalsolisten und des GrauSchumacher Piano Duos konfrontiert Werke von drei Solitären der mittleren Komponistengeneration: Mauro Lanza hat auf das „Testamentum porcelli“ (5. Jh.) neun ebenso aphoristische wie ironisch-witzige Miniaturen geschrieben. Gegenstück dazu ist Johannes Borowskis „Fog“ – ein musikalisches Beziehungsdrama, geprägt von großen sanglichen Gesten. Als kontrastreiches Mittelstück des Konzerts fungiert Brigitta Muntendorfs Komposition „Public Privacy“, komponiert für das GrauSchumacher Piano Duo. Hier wird die Wechselwirkung zwischen Bühnenpräsenz im klassischen Konzert und musikalischen Reenactments im Internet thematisiert.
(7. Februar 16.30 Uhr)

Traditionsgemäß findet im Rahmen von ECLAT wieder das Konzert zum Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart statt: Die Werke der Preisträger des Jahres 2014 – Clara Iannotta und Daniel Moreira – werden von Ensemble Modern mit Franck Ollu am Pult vorgestellt. Bereits um 18:30 Uhr wartet das Ensemble Modern mit dem mittlerweile zum Kult-Stück avancierten und mit vielen Preisen ausgestatteten Werk „Black Box Musik“ von Simon SteenAndersen auf. (7. Februar, 18.30 Uhr und 20 Uhr)

Im Konzert von ascolta steht die Uraufführung eines Frühwerks von Sebastian Claren auf dem Programm sowie ein eruptives, klanggewaltiges und gleichwohl fragiles Werk von Pierluigi Billone und die Uraufführung eines hochvirtuosen Klavierwerks von Alberto Posadas, geschrieben für Florian Hölscher. (8. Februar 15.30 Uhr)

Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR führt im Abschlusskonzert des Festivals unter anderem ein Werk von Johannes Kreidler auf. Kreidler stellt anhand von Maurice Ravels „Bolero“ die Frage, wie wir uns den von der Geschichte zugestellten historischen Meisterwerken heute überhaupt noch nähern können. Und Benedict Mason kombiniert in seinem „Sackbut Concerto“ die Barockposaune mit einer typischen Concerto-Besetzung mit 22 Instrumenten. Ramon Lazkano schließlich hat eine virtuos komponierte Kantate geschrieben über Gedichte des ägyptisch-französisch-jüdischen Dichters Edmond Jabès, die vom inneren und äußeren Exil handeln. (8. Februar 18 Uhr)

Im Lauf des Festivals sind in chronologischer Reihenfolge drei Lecture Performances von Erik Bünger programmiert. Dabei geht es um unterschiedliche Phänomene des Klangs. In kunstvoll angelegten Collagen finden Elemente aus Sprache, Musik und Film in einer großen Erzählung zueinander (6., 7. und 8. Februar).

Während des gesamten Festivals 2015 sind zwei Klanginstallationen eingerichtet: Erik Bünger zeigt unter dem Titel „Let them sing it for you“ eine interaktive Installation, die mit Bausteinen aus der Popmusik gesellschaftliche Phänomene wie Lebensgefühl, Stil und Geschmack reflektiert. Cathy van Eck hat für ECLAT ebenfalls eine poetische und klangsensible, interaktive Installation entwickelt.

Gerundet wird ECLAT 2015 mit dem Kindertheater „Die kleine Hexe“ nach Otfried Preußler zum 1. Streichquartett von György Ligeti (Regie: Malte Prokopowitsch; (8. Februar 11 u. 16. Uhr) sowie einer Podiumsdiskussion. Achtung: Diese Veranstaltung wurde vorverlegt. Neuer Termin: 7. Februar 13.30 bis 15.00 Uhr

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