Antje Valentin und Anneli Froese
Antje Valentin und Anneli Froese  
Photo:  Vera Lammers

Anneli Froese wurde bei der Mitgliederversammlung des Trägervereins der Landesmusikakademie NRW am 9. Januar 2024 einstimmig zur neuen Direktorin gewählt.

Zunächst berichteten die Vorsitzende Heike Wermer, Direktorin Antje Valentin und Geschäftsführer Gerd Kühlkamp den über 30 Delegierten der Gemeinde Heek, des Kreises Borken und des Landesmusikrats NRW von einem erfolgreichen Jahr 2023.

220 Proben- und Kursveranstaltungen sowie darüber hinaus 34 Konzerte mit 2.500 Konzertbesuchern fanden in der Akademie statt. Insgesamt wurden 12.200 Teilnehmertage erreicht, 5.300 Gäste und 11.500 Übernachtungen konnten verzeichnet werden. Die Nachfrage sowohl nach Probemöglichkeiten als auch nach Kursen ist ungebrochen hoch, 2024 und 2025 sind bereits nahezu ausgebucht.

In ihrem Tätigkeitsbericht erläuterte die Vorsitzende Heike Wermer die zahlreichen Aktivitäten des Vorstands, die zu Ende des Jahres 2023 mit der Gründung einer Findungskommission für die Wahl einer Nachfolge für die scheidende Direktorin Antje Valentin mündeten. Die Mitglieder entlasteten den Vorstand aufgrund des positiven Berichts über die Prüfung durch die Revision des Kreises Borken einstimmig für das Jahr 2022.

Geschäftsführer Gerd Kühlkamp stellte den Nachtragshaushalt 2023 in Höhe von rund 3,3 Millionen Euro sowie den Entwurf des Haushalts 2024 vor, die beide einstimmig von den Mitgliedern beschlossen wurden. Insbesondere die erhöhten Energiekosten und die aktuellen Tarifsteigerungen sind große Herausforderungen. Die Sanierungsmaßnahmen für die Gästehäuser 2 und 3 konnten erfolgreich abgeschlossen werden und ein neuer rollstuhlgerechter Eingang Richtung Parkplatz im Musikzentrum wurde eingebaut. Direktorin Antje Valentin stellte das umfangreiche Seminar- und Projektangebot 2024 vor, das online auf der Website der Akademie zu finden ist.

Höhepunkt der Versammlung war die Wahl der neuen Akademiedirektorin Anneli Froese. Sie ist bislang Musikreferentin im Nordkolleg Rendsburg in Schleswig-Holstein und dort verantwortlich für die Programmgestaltung, Bildungsangebote, Marketing und Finanzplanung. Zudem ist sie Präsidiumsmitglied des Landesmusikrats Schleswig-Holstein und bringt Erfahrungen aus ihren Tätigkeiten an Musikschulen und Hochschulen mit. Sie studierte Musikpädagogik mit den Fächern Fagott, Klavier und Elementare Musikpraxis. Nach einer kurzen Vorstellung wählten die Mitglieder sie einstimmig. Anneli Froese nahm die Wahl strahlend an. Für sie ist es eine Rückkehr in vertraute Gefilde in ihre Heimat Münsterland.

Nach der Mitgliederversammlung verabschiedeten Vorstandsmitglieder, Delegierte sowie Freundinnen und Freunde der Landesmusikakademie NRW mit einem warmherzigen Festakt ihre Akademiedirektorin Antje Valentin und begrüßten die Nachfolgerin Anneli Froese. An die hundert Gäste aus ganz NRW waren gekommen, um die Weitergabe des Stafettenstabs zu erleben. Heike Wermer dankte Antje Valentin mit herzlichen Worten und würdigte, wie weit und wie gesellschaftsnah die Direktorin das Programm und die Projekte der Akademie in den zwölf Jahren ihrer Amtszeit geöffnet hat.

Als besonderer Gast gratulierte Gonca Türkeli-Dehnert, Staatssekretärin des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft NRW, Valentin zur neuen Position in Berlin, denn Valentin geht als Generalsekretärin zum Deutschen Musikrat e.V. Auch Türkeli-Dehnert lässt die Direktorin nicht gerne ziehen, verwies sie doch darauf, dass die Landesmusikakademie in ganz Deutschland als qualitativ führend anerkannt sei: „Sie haben die Landesmusikakademie geprägt und Sie übergeben die Akademie in einem sehr guten Zustand.“ Türkeli-Dehnert lobte auch das Team des Hauses als überaus effektiv und war sich sicher, dass dieses auch Anneli Froese mit demselben Engagement zur Seite stehen werde.

Christine Siegert, Präsidentin des Landesmusikrats NRW, betonte in einem Podiumsgespräch mit dem Heeker Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff, mit Landrat Kai Zwicker und mit Heike Wermer als Moderatorin die Verzahnung von Landesmusikrat und Landesmusikakademie. Nicht nur in den Sitzungen der Amateurmusikdelegierten, auch in der AG der Bildungs- und Wissenschaftsverbände im Landesmusikrat NRW war Valentin regelmäßig aktiv. Weilinghoff und Zwicker boten im Podiumsgespräch einen launigen Dialog über die Omnipräsenz Valentins im Westmünsterland als engagierte Netzwerkerin. Der Bürgermeister und der Landrat unterlegten ihre humorvollen Erinnerungen durchaus mit Selbstbewusstsein, denn die Gemeinde Heek und der Kreis Borken stellen neben dem Landesmusikrat nicht nur einen Teil der Delegierten im Trägerverein der Akademie, sie stehen der Akademie auch bei Krisen, EU-Projekten, Bauvorhaben und Sanierungen unermüdlich zur Seite. Manche Kultureinrichtung wäre gerne von ihrer Gemeinde und ihrem Kreis so gestützt, wie es im Falle der Landesmusikakademie NRW der Fall ist. Auch ist Heike Wermer, die den Vorsitz des Trägervereins vor einem Jahr von Reinhard Knoll übernommen hat und gleichzeitig Kulturpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion ist, in der Region fest verankert.

Das besondere Engagement gilt auch für das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW, das nicht nur durch die Staatssekretärin, sondern auch durch den Musikreferatsleiter Thomas Baerens im Festakt vertreten war. Die aufwändigen Sanierungen zweier Bettenhäuser der Akademie, ein neuer Eingangsbereich, Ladesäulen für E-Autos, explodierende Energiekosten, Tarifsteigerungen und mehr verlangten den Geldgebern in der letzten Zeit einiges ab, und es bedurfte zusätzlichen Engagements, den Haushalt auszugleichen.

Diese mitunter nervenstrapazierenden Mühen traten im Festakt gänzlich in den Hintergrund, als das junge Wirbelquartett den Kopfsatz aus Beethovens Streichquartett op. 59, 1 anstimmte und mit großer Lust die Verschränkungen der Melodielinien auskostete. Das Ensemble ist Preisträger des Kammermusikförderpreises NRW 2023. Annika Strnad, Mika Cichon, Naomi Cichon und Oscar van Heek sind im Altersschnitt gerade einmal 17 Jahre alt, und sie interpretierten als Trauermusik für die scheidende Direktorin Puccinis Crisantemi und den Libertango von Astor Piazzolla mit einer schwungvollen Akkuratesse, auf die hin man ihnen ohne Weiteres zehn Jahre Bühnenerfahrung bescheinigt hätte.

In ihren Dankesworten ging Antje Valentin auf ihr Engagement für junge Kammermusik in NRW ein und dankte zuvorderst ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Neben den Reinigungskräften und der über einen Caterer betriebenen Küche sind es gerade einmal elf feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Projektmitarbeitende, die das dichte und weit gefächerte Programm der Akademie organisieren – ab März unter neuer Leitung.

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