Der italienische Dirigent, Cembalist und Organist Andrea Marcon erhält den Händel-Preis der Stadt Halle (Saale), vergeben durch die Stiftung Händel-Haus 2021. Das Kuratorium der Stiftung Händel-Haus unter Vorsitz von Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand folgt dem Votum des Fachbeirates und würdigt damit Andrea Marcons herausragende Verdienste um die Pflege von Händels Musik. Der Händel-Preis der Stadt Halle (Saale), wird für besondere künstlerische, wissenschaftliche oder kulturpolitische Leistungen, die im Zusammenhang mit der internationalen Händel-Pflege in Halle stehen, an Einzelpersönlichkeiten oder Ensembles vergeben. Es ist ein undotierter Ehrenpreis.

Kuratorium und Fachbeirat der Stiftung Händel-Haus würdigen Andrea Marcon als eine prominente Persönlichkeit der Alten Musik. Was ihn insbesondere als Händel-Preisträger auszeichnet, ist neben seiner herausragenden Musikalität sein Renommee, seine Händel-Interpretationen und nicht zuletzt seine enge Verbindung zur Händel-Forschung. So hat Andrea Marcon für seine Darbietung von Händels "Parnasso in festa“ in Halle erstmals auf das Material der Hallischen Händel-Ausgabe zurückgegriffen. Auch die Aufführung des "Giulio Cesare“ in der Fassung von 1725, die Andrea Marcon als Dirigent in Halle zu den Händel-Festspielen 2021 als moderne Erstaufführung präsentiert, basiert auf Erkenntnissen und auf Grundlage des Notenmaterials der Hallischen Händel-Ausgabe.

Andrea Marcon ist einer der anerkanntesten und gefragtesten Musiker und Experte für Alte Musik. Er wurde im italienischen Treviso geboren und studierte von 1983 bis 1987 an der Schola Cantorum Basiliensis. Seine Lehrer waren u. a. Jean-Claude Zehnder (Orgel und Cembalo), Hans Martin Linde (Dirigieren) sowie Jordi Savall (Kammermusik). Wichtige Impulse erhielt er auch von Luigi Ferdinando Tagliavini, Hans van Nieuwkoop, Ton Koopman und Harald Vogel. 1986 gewann er den ersten Preis beim Paul Hofhaimer-Orgelwettbewerb in Innsbruck und 1991 den ersten Preis beim Cembalo-Wettbewerb in Bologna. Im Jahr 1997 gründete er das Venice Baroque Orchestra, heute eines der weltweit führenden Ensembles im Bereich Barockmusik. Seit 2009 ist Andrea Marcon auch musikalischer Leiter des La Cetra Barockorchesters Basel. Marcon ist regelmäßiger Gastdirigent an der Oper Frankfurt, am Theater Basel und beim Festival von Aix-en-Provence und wurde von zahlreichen nationalen Rundfunkorchestern in ganz Europa und renommierten Orchestern wie den Berliner Philharmonikern, den Münchener Philharmonikern, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, den Bamberger Philharmonikern und anderen eingeladen. In den Jahren 2017/2018 und 2018/2019 dirigierte er die erste "Alcina“-Produktion am Bolschoi-Theater Moskau; außerdem die erste vollständige Bühnenproduktion von "Siroe“ in Venedig und New York, "Ariodante“ in Frankfurt, Oviedo, Aix en Provence, Basel, Valencia, "Rodelinda“ in Frankfurt. Der Dirigent ist mehrfach in Halle aufgetreten, unter anderem 2014 mit der Aufführung von Händels "Parnasso in festa“, 2018 dirigierte er den "Messiah“ und das Festkonzert mit der Sopranistin und Händel-Preisträgerin Magdalena Kožená.

Es existieren mehr als 75 CD-Einspielungen von Andrea Marcon. Für seine CD-Aufnahmen als Organist und Cembalist bekam er viermal den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Auch seine Aufnahmen als Dirigent erhielten Preise, wie den Diapason d’or, Choc du Monde de la Musique, Vivaldi Award of the Cini Foundation und den Edison Preis.

Heute ist Andrea Marcon auch als Leiter klassischer und frühromantischer Musik international anerkannt.

Andrea Marcon: "Es ist mir eine große Ehre, von der Stadt Halle an der Saale mit dem Händel-Preis 2021 ausgezeichnet zu werden. Mein Dank gilt der Stiftung Händel-Haus und dem Beirat sowie dem Oberbürgermeister der Stadt Halle Dr. Bernd Wiegand. Zusammen mit Bach ist die Musik Händels von Anfang an Teil meines musikalischen Lebens gewesen und erleuchtet es noch heute jeden Tag mit derselben Kraft und Leidenschaft. Dieser prestigeträchtigen Anerkennung möchte ich mich auch mit allen Solisten, Orchestern, Opernhäusern anschließen, mit denen ich gerne zusammengearbeitet habe, um die immer bereichernde Musik unseres geliebten Händels zu teilen: Danke Caro Sassone, danke Halle!“

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