Der Sächsische Musikrat wird das Projekt Stolpersteine der Erinnerung - Musik und Literatur gegen das Vergessen, in Kooperation mit den Landesmusikräten von Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein in den nächsten 24 Monaten veranstalten.
Das Projekt bietet Schulen in Sachsen die Möglichkeit, sich intensiv mit einer Musikerpersönlichkeit mit regionalem Bezug zu beschäftigen, die während der Zeit des Nationalsozialismus Repressionen ausgesetzt war. Zielgruppe ist die Klassenstufe 7-12. Für insgesamt sieben Podcasts organisiert der Landesmusikrat eine wissenschaftliche und mediale Begleitung bis zur finalen Produktion. Er hilft bei der Suche nach Familienangehörigen, mit denen die Jugendlichen ins Gespräch über deren Vorfahren kommen können. Die fertigen Beiträge werden in der App Stolpersteine digital integriert und bleiben somit deutschlandweit dauerhaft sichtbar. Es stehen auch Mittel für Exkursionen bereit.
Das Projekt „Stolpersteine der Erinnerung – Musik und Literatur gegen das Vergessen“ wird aus Mitteln des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) gefördert und im Rahmen des Förderprogramms Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) umgesetzt. Ziel ist es, mit dem Ende der Zeitzeugenschaft einen neuen, kreativen Zugang zur Erinnerungskultur junger Menschen zu schaffen.
Das Projekt verbindet biografische Erinnerungsarbeit und Antisemitismusprävention mit zeitgemäßen, medienpraktischen Erfahrungen. Zentrale Frage dabei: Wie erinnern wir an die Shoa in einer Zeit, in der es kaum noch Überlebende und Zeitzeugen gib, und wie schaffen wir es, junge Menschen dafür zu interessieren?
Dazu der Präsident des Sächsischen Musikrates Prof. Milko Kersten: „Kennen Sie Paul Aron? - Vermutlich gäbe es ein Schulterzucken. Aron, wurde am 9. Januar 1886 in Dresden geboren. Als Schüler von Max Reger in Leipzig hervorragend ausgebildet, veranstaltete er in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts kontinuierlich bis 1930 in Dresden 50 Konzerte Neuer Musik und brachte dabei 213 Kompositionen als Erst-, und teilweise auch Uraufführung zu Gehör. Allein ihm gebührte ein gedanklicher Stolperstein in allen Städten unseres Landes. Für viele andere verfemte Frauen und Männer sind Stolpersteine bereits verankert, auf der Straße, noch nicht aber in unserem kollektiven Gedächtnis. Dieses großartige Projekt bietet für Schülerinnen und Schüler unseres Bundeslandes die Chance auf Selbstvergewisserung. Es gilt, generationenübergreifend Verantwortung zu übernehmen dafür, dass damals entrechtete Menschen ihre Würde auch dadurch wiedererlangen, dass wir uns an sie erinnern. Junge Menschen werden in ihren sächsischen Heimatstädten viel zu entdecken haben!“
Die Stiftung Erinnerung Verantwortung und Zukunft (EVZ) führt mit Mitteln des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) seit 2021 ein wegweisendes Förderprogramm durch, um die politisch-moralische Verantwortung für das begangene nationalsozialistische Unrecht in zukunftsgerichtete Erinnerungs- und Bildungsformate zu übersetzen: die Bildungsagenda NS-Unrecht. In diesem Rahmen kann nun auch das Projekt „Stolpersteine der Erinnerung – Musik und Literatur gegen das Vergessen“ finanziert werden.
Mehr zu dem Projekt unter: https://www.saechsischer-musikrat.de/stolpersteine-der-erinnerung