Im Berliner 19:77 wurden im Rahmen der jährlichen Mitgliederversammlung die Nominierten für den Preis für Popkultur 2026 bekannt gegeben. In zehn Kategorien entscheidet nun die Community des Vereins zur Förderung der Popkultur über die Gewinner:innen. Für den Lieblingssong wird es erstmals auch ein Publikumsvoting geben. Parallel dazu arbeitet das ehrenamtliche Vereinsteam an der Vorbereitung der Preisverleihung, die Mitte April stattfinden soll.

“Die Einreichungen aus dem Verein waren überwältigend – in ihrer Vielfalt, ihrem Mut und ihrer Haltung. Sie zeigen, wie großartig unsere Musikszene ist und wie wichtig der Preis für Popkultur für die Branche ist. Daraus ist eine beeindruckende Shortlist entstanden. Dies verdanken wir nicht zuletzt der Arbeit unserer großartigen Jury, die mit Leidenschaft, Fachwissen und Verantwortung entschieden hat”, erklären Josefine Nowack und Stephan Hengst, Vorstand des Vereins zur Förderung der Popkultur.

Ein Preis, der die Szene feiert

Seit 2016 steht der Preis für Popkultur für Vielfalt, Haltung und frische Stimmen der Musikszene. Er ist mehr als eine Auszeichnung – er ist eine Liebeserklärung an kreative Köpfe und mutige Ideen. Jenseits von Charts und Verkaufszahlen würdigt der Preis Künstler:innen, gesellschaftlich relevante Initiativen und außergewöhnliches Engagement. Im Fokus stehen Kreativität, Haltung und Innovation – und vor allem Newcomer:innen, die hier Sichtbarkeit bekommen und den nächsten Schritt gehen können.

Shortlist 2026: Das sind unsere Nominierungen

Lieblingskünstler:in / -band

  • Bush.ida – Sprachgewandte Lines mit doppeltem Boden, drückende Beats und intensive Performances – Rap, der sich nicht nur hören, sondern fühlen lässt.
  • Mariybu – Laut, kompromisslos und radikal ehrlich – eine Hyperpop-Ikone mit scharfem Humor, Haltung und maximaler Provokation.
  • Peaches – Seit fast drei Jahrzehnten verschiebt die in Berlin lebende Kanadierin mit explizitem Electro-Pop, radikaler Performancekunst und kompromisslosem Feminismus die Grenzen der Popkultur.
  • Souly – Steht für Aufbruch und künstlerische Rebellion – Musik als Erlebnis statt Produkt, mit genreübergreifendem Sound, radikalen Live-Ideen und kompromissloser Haltung.
  • Wa22ermann – Eine der spannendsten Rapperinnen: energiegeladen, genre-sprengend und nicht mehr wegzudenken. Sie reißt jedes Publikum mit – Kreis auf, Stillstehen zwecklos.

Hoffnungsvollste:r Newcomer:in

  • Brosie – Indie-Pop mit persönlicher Note: nahbar, unaufgeregt und fernab gängiger Formate.
  • Fanny – Die Newcomerin überzeugt mit klarer Stimme, ehrlichem Songwriting und früher stilistischer Handschrift.
  • FAYAN – Ehrlich, mitreißend und mit einem dicken Grinsen im Gesicht: FAYAN bringt einen Sound auf die Bühne, der sofort begeistert.
  • Grenzkontrolle – Politische Wut trifft auf kompromisslosen Sound: laut, direkt und gesellschaftlich aufgeladen.
  • Justin Hayo – Handgemachter Old-School-R’n’B, getragen von detailreichen Arrangements und tiefgründigen Texten.

Lieblingsproduzent:in

  • Melane – “Mirrors & Windows” – Detailreiche Arrangements und eine fein austarierte Dramaturgie prägen einen besonderen Sound.
  • Novaa – Mit minimalistischen Klangbildern und Präzision formt Novaa Popmusik, die Luft für künstlerische Eigenständigkeit lässt.
  • Oga Beats – Megaloh produziert seine Musik unter dem Pseudonym Oga Beats selbst und verbindet so seine künstlerische Autorenschaft und Visionen mit technischer Präzision.
  • Parra for Cuva – Als Parra for Cuva verbindet Nicolas Demuth eindringliche Beats mit eingängigen Melodien.
  • VAVUNETTHA – “Vaikaari” – VAVUNETTHA hat ihren ganz eigenen Sound kreiert und nimmt uns nicht nur mit auf eine Reise zu ihren eigenen Wurzeln

Lieblingsalbum

  • Ikkimel – “FOTZE” – Ikkimel legt den Finger in die Wunde gesellschaftlicher Doppelmoral. Ein Album als Manifest von Selbstermächtigung, Haltung, Ironie und Leidenschaft.
  • Josi Miller – “4 stages of sleep” – Entlang der Schlafphasen entfaltet sich eine elektronische Klangreise durch Traumwelten, geprägt von Angst und Panik, aber auch Heilung!
  • Megaloh – “Schwarzer Lotus” – Das fünfte Studioalbum von Megaloh ist ein geschlossenes und atmosphärisches Gesamtkunstwerk.
  • Sophia Kennedy – “Squeeze Me” – Härte und Schönheit, Witz und Melancholie, Fatalismus und Stärke: »Squeeze Me« stellt auf den Kopf, was wir über Sophia Kennedy zu wissen glaubten.
  • Souly – “traence” – Statt einzelner Hits setzt das Album auf einen durchgehenden Flow und atmosphärische Geschlossenheit: Eine kompromisslose Hommage ans Echtsein!
  • Tristan Brusch – “Am Anfang” – Der grandiose Abschluss der  dunkelromantischen “Am” Trilogie.

Bewegendstes Bild

  • Atomino Sessions Chemnitz – Martin Groß – Die ZDFkultur-Serie porträtiert Künstler:innen, die in Ostdeutschland leben, und verbindet persönliche Einblicke – mit Ätna, Jassin,  Hinterlandgang sowie Alexander Scheer | Andreas Dresen & Band – mit intimen Live-Mitschnitten aus dem Club Atomino.
  • BABO – Die Haftbefehl-Story – Sinan Sevinç & Juan Moreno – Persönliche Interviews mit Haftbefehl und seinem engsten Umfeld zeichnen in der Netflix-Doku von 27KM'B Pictures ein brutal ehrliches Porträt der deutschen Rap-Ikone.
  • Enno Bunger – Kein Mensch startet einen Krieg (Hidden Session) – Das Hidden Sessions Video von Nadiia Khatymlianska für Enno Bunger ist ein eindringliches visuelles Statement gegen Krieg und Gewalt.
  • JAMEL – Lauter Widerstand – Martin Groß – Der ARD Kultur Film erzählt die Geschichte des Festivals “Jamel rockt den Förster” und zeigt, wie Musik in einem von Rechtsextremen dominierten Dorf zum Mittel demokratischen Widerstands wird.
  • Souly – Maske Weg – Produziert von Flipphone Studios (Regie: Fritz Elsmann), fasziniert das Musikvideo für Souly mit einer dunklen wie mystischen Bildsprache – hypnotisch, reduziert und voller Sogwirkung.

Beeindruckendste Liveshow

  • Beatsteaks – “BS30” – Jubiläums-Doppel-Show in der Berliner Max-Schmeling-Halle. Ultimative Fan-Nähe und pure Live-Energie!
  • BHZ – “Pablo für immer” – Kein gewöhnliches Konzert, sondern ein Abend des gemeinsamen Gedenkens.
  • Fuffifufzich in der Elbfeelharmony – Pop, Performance und großartige Songs greifen hier beim Reeperbahn Festival zu einem eigenständigen Live-Konzept ineinander.
  • Ikkimel – “Ikkimel & Friends” – Starke Gastauftritte und die gemeinsame Euphorie prägen eine einzigartige Open-Air-Nacht im IFA Sommergarten.
  • Nina Chuba – Arena Tour – Arena-Scale, Pop-Appeal, Präsenz auf Anschlag – Nina Chuba spielt in der Champions League! 

Gelebte Popkultur

  • bangerfabrique – Rap, Fashion und Freundinnenschaft –  bangerfabrique ist ein queer-feministisches Musik- und Performancekollektiv aus Hamburg.
  • Kraftklub – Kieztour Reeperbahn – Guerilla-Marathon-Mode on: Die Chemnitzer sind beim Reeperbahn Festival fast überall – mit 15 spontanen Gigs in 15 Locations.
  • Rausgegangen – Geheimkonzerte – Unangekündigte Acts und besondere Orte rücken das unmittelbare Live-Erlebnis in den Mittelpunkt.
  • SchwuZ Queer Club – Mehr als ein Club. Seit Generationen schafft das SchwuZ Räume für queeres Leben, Selbstbestimmung und kulturellen Ausdruck: laut, solidarisch und offen – Zukunft leider ungewiss!
  • Unreleased Festival – Das starke Line-up bleibt geheim, keine Handys – nur die Crowd und die Musik. Was wie der Fiebertraum jedes Musikfans klingt, ist bei Unreleased Realität.

Lieblingspodcast

  • Danke, gut. Der COSMO Podcast über Pop und Psyche - Miriam Davoudvandi und ihre Gäste sprechen über mentale Gesundheit, persönliche Erfahrungen und psychische Belastungen.
  • Deep Doku – Episode: Traumberuf Musik? (rbb) – Henrike Möller und Clara Neubert (Redaktion) beleuchten die Arbeitsrealitäten im Musikbetrieb: Leistungsdruck, Dauer-Performance und Unsicherheit, erzählt ohne Glamourfilter.
  • Der Soundtrack meines Lebens (VISIONS) – Jan Schwarzkamp zeichnet Musiker:innenbiografien entlang der Songs nach, die sie geprägt haben.
  • Kurt Krömer Feelings (Wondery, Song Legend & BosePark Productions)– Kurt Krömer hat Besuch. Von wem? Weiß er nicht. Er sitzt mit Augenbinde im Studio und lässt sich überraschen. Nach dem Finale “Ikkimel – Fotzenrap für die Omas” ist nach 150 Folgen leider Schluss.
  • Fuck you very, very much! Die größten Beefs im Musikbiz (ARD Kultur) – Jennifer Weist und Markus Kavka schnacken kompetent und neugierig über legendäre Musikstreits. Nominiert für: “Drake vs. Kendrick Lamar - Ein Beef wie eine Beerdigung”.

Herausragendes gesellschaftliches Engagement

  • Act Aware e.V. – Mit Awareness-Konzepten und Schulungen setzt sich der Verein für diskriminierungssensible Kulturarbeit ein.
  • Corner Chor – “Scheiß AfD Jodler” – Humor und Musik werden hier gezielt als Mittel des Protests eingesetzt.
  • Forever Fresh – Das DJ-Kollektiv macht Frauen über 70 sichtbar und hinterfragt nebenbei gängige Altersbilder in der Clubkultur.
  • Initiative Barrierefrei Feiern – Das Netzwerk arbeitet daran, Kulturveranstaltungen inklusiver und zugänglicher zu gestalten.
  • Widersetzen – Antifa-Allstars – Das Bündnis organisiert zivilgesellschaftlichen Widerstand gegen rechte Strukturen.