Auf Einladung der Staatskanzlei fand am 2. Juni in Magdeburg ein gemeinsames Gespräch zwischen Vertreter:innen des Landesmusikrates Sachsen-Anhalt e. V., der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle, des Landesverbandes der Musikschulen Sachsen-Anhalt, der Musikakademie Kloster Michaelstein, sowie Staatsminister Rainer Robra, Bildungsminister Jan Riedel, Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann und Sozialministerin Petra Grimm-Benne statt.
Im Mittelpunkt des zweistündigen Austauschs stand die Frage, wie der musikalische Bildungskreislauf im Land langfristig gesichert und gestärkt werden kann. Die beteiligten Institutionen stellten dabei bewusst nicht Einzelinteressen in den Vordergrund, sondern betrachteten musikalische Bildung als zusammenhängenden Prozess über alle Lebensphasen hinweg – von der frühen Kindheit über Schule, Musikschule und Studium bis hin zum Musizieren im Erwachsenen- und Seniorenalter.
Der Landesmusikrat Sachsen-Anhalt zieht ein positives Fazit des Treffens. Die Ministerinnen und Minister begegneten den eingeladenen Expert:innen in einem konstruktiven Gespräch, nahmen die vorgetragenen Perspektiven auf und signalisierten ihre Bereitschaft, die Themen in die jeweiligen Häuser mitzunehmen und den Austausch fortzusetzen. Mehrere Themenfeldern für mögliche Folgegespräche in einzelnen Ministerien wurden bereits angeregt.
Ein zentrales Thema war die Ausbildung zukünftiger Musikpädagog:innen. Das Anliegen betraf die Vorstellung eines neuen Doppelfachstudiengangs Musik/Musikpädagogik, der gemeinsam von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik umgesetzt werden kann. Ziel wäre es, Lehrkräfte auszubilden, die sowohl an allgemeinbildenden Schulen als auch an Musikschulen tätig werden können. Der Studiengang würde sich an den bereits erfolgreich etablierten Kooperationsstudiengängen Bachelor und Master Kirchenmusik/Musikpädagogik von MLU und EHK orientieren und die bestehende Zusammenarbeit der beiden Hochschulen konsequent weiterentwickeln. Angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftemangels v.a. im Bereich der Musikschulen sehen die beteiligten Institutionen hierin einen wichtigen Baustein zur Zukunftssicherung musikalischer Bildung in Sachsen-Anhalt. Wissenschaftsminister Willingmann signalisierte hierfür grundsätzlich Unterstützung im Rahmen der bestehenden Hochschulentwicklungsplanung. Gleichzeitig wurde deutlich, dass hierfür auch bildungspolitische und rechtliche Fragen weiter geklärt werden müssen.
Ebenso wurde auf die Bedeutung klarer und verlässlicher Kommunikation für die Anerkennung vorhandener musikpädagogischer Abschlüsse und Qualifikationen aus den Ministerien in die Institutionen hingewiesen, um bestehende Ausbildungspotenziale für Schulen und weitere Bildungseinrichtungen bestmöglich nutzen zu können.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Elementaren Musikpädagogik. Die Gesprächsteilnehmenden betonten die Bedeutung musikalischer Erfahrungen bereits in der frühen Kindheit. Sozialministerin Grimm-Benne unterstrich dabei die wichtige Rolle von Musik und Singen für Sprachförderung, Integration und die Bewältigung sozialer Herausforderungen. Zugleich verdeutlichten die Expert:innen, dass musikalische Kompetenzen, vorrangig Singen in kindgerechter Tonlage, einen festen Platz in der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte einnehmen müsse.
Intensiv diskutiert wurde außerdem die Situation an den allgemeinbildenden Schulen. Aus Sicht des Landesmusikrates gehört musikalische Praxis untrennbar zum Selbstbild von Musikpädagog:innen. Ensemblearbeit, Chöre, Bands und musikalische Arbeitsgemeinschaften sollten deshalb nicht als freiwillige Zusatzaufgabe verstanden werden, sondern als fester Bestandteil schulischer Musikbildung und Lehrtätigkeit. Bildungsminister Riedel verwies auf bestehende Herausforderungen insbesondere an Sekundarschulen, zeigte jedoch zugleich Perspektiven auf, wie sich hier mit einer sich verbessernden Lehrkräftesituation an Gymnasien künftig neue Handlungsspielräume eröffnen könnten.
Besprochen wurde auch die Frage, wie Schulen und außerschulische Lernorte künftig noch besser zusammenarbeiten können. Musikschulen, Vereine, Chöre, Orchester und weitere kulturelle Einrichtungen bieten bereits heute vielfältige Bildungsangebote. Um diese Potenziale stärker für den Ganztag nutzbar zu machen, wurde diskutiert, wie Kommunikationswege, Netzwerkstrukturen und Koordinierungsangebote verbessert werden können. Dabei wurde auf bestehende erfolgreiche Modelle und Transferprojekte wie KreaS verwiesen, die Schulen und außerschulische Partner zusammenbringen können.
Als weiterer Baustein wurde das Musikmentor:innenprogramm hervorgehoben. Es kann jungen Menschen die Möglichkeit eröffnen, auch an Schulen bereits Verantwortung zu übernehmen, eigene Projekte zu gestalten und erste pädagogische Erfahrungen zu sammeln. Die Beteiligten sehen darin nicht nur einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und Demokratiebildung, sondern auch einen wichtigen Ansatz zur Gewinnung zukünftiger Musikpädagog:innen.
Für die Präsidentin des Landesmusikrat, Prof. Dr. Jutta Schnitzer-Ungefug, steht fest: Sachsen-Anhalt verfügt über eine außergewöhnlich vielfältige musikalische Infrastruktur und eine starke kulturelle Identität als Musikland. Damit diese Stärken auch künftig erhalten bleiben und allen Menschen – von der Kita bis ins hohe Alter – offenstehen, braucht es einen funktionierenden musikalischen Bildungskreislauf. Das Vierministergespräch war hierfür ein wichtiger Schritt.
Staatsminister Robra dankte allen Beteiligten für den konstruktiven Austausch und betonte, dass die Förderung musikalischer Bildung eine dauerhafte gemeinsame Aufgabe bleibe. Die eingebrachten Themen würden in die jeweiligen Ministerien mitgenommen; zugleich sprach er sich dafür aus, den begonnenen Dialog fortzuführen.
Das Gespräch fand einen Monat nach der Musikbildungstagung des Landesmusikrates statt und griff zahlreiche Themen auf, die dort von Fachleuten aus Wissenschaft, Praxis und Bildungspolitik diskutiert worden waren.