Neue Daten zeigen ungleiche Fortschritte in Europa, begrenzte intersektionale Parität und die dringende Notwendigkeit, in die zukünftige Führungsriege der Musikbranche zu investieren. Keychange unter der Leitung des Reeperbahn Festivals / RBX GmbH veröffentlicht seinen Keychange Pledge Report 2023-2025, der eine der bislang umfassendsten öffentlichen Datensammlungen zu Geschlechter-gleichgewicht und intersektionaler Inklusion in der globalen Musikbranche bietet. 

Auf der Grundlage von Daten von hunderten von Unterzeichnenden der Pledge weltweit zeigt der Report, dass zwar die Ziele zur Geschlechterparität von einem erheblichen Anteil der Organisationen (50,7 %) erreicht werden, die Fortschritte jedoch über Regionen, Sektoren und Identitäten hinweg ungleich sind, wobei westeuropäische Festivals weiterhin die Teilnahme und Berichterstattung dominieren.

Die Ergebnisse unterstreichen eine kritische Realität: Engagement allein reicht nicht aus. Ohne stärkere Mechanismen der Rechenschaftspflicht, ein breiteres Engagement des Sektors und der Regionen sowie eine gezielte Führungskräfteentwicklung werden strukturelle Ungleichheiten in der Musikbranche fortbestehen.

„The latest pledge report demonstrates that gender equity in music is achievable and sustainable",‘sagt Aysha Hussain, Co-Managerin der Pledge. „The progress is not without its challenges; financial pressures, market inequalities, and gender imbalances in leadership roles continue to slow change, while consistent data reporting and intersectional inclusion require continuing development. However, pledge signatories are increasingly embedding systemic intersectional inclusion in their gender equity work, highlighting the crucial shift beyond stage visibility, to internal organisational culture and infrastructure for long-term change.”

Die wichtigsten Ergebnisse aus dem Report

  • Relativ hohe Ziele für die Geschlechterparität erreicht: 50,7 % der berichtenden Unterzeichnenden erfüllten die Ziele für die Geschlechterparität im Jahr 2025, 67,4 % im Jahr 2024 und 67,7 % im Jahr 2023. Die Umfrage für 2025 führte auch eine Option für „teilweisen Erfolg” ein, wobei 36 % der Befragten Fortschritte meldeten, was zeigt, dass die Mehrheit der Organisationen die Gleichstellung der Geschlechter aktiv vorantreibt.
  • Festivals bleiben mit einem Anteil von bis zu 48 % der berichtenden Unterzeichnenden weiterhin dominant, trotz des Wachstums bei
    Agenturen, Veranstaltenden und Bildungsanbietenden.
  • Das geografische Ungleichgewicht besteht sowohl in der Berichterstattung als auch bei der Gesamtbeteiligung der Unterzeichnenden weiterhin:
    Organisationen mit Sitz im Vereinigten Königreich und in Deutschland dominieren nach wie vor, während die Repräsentation aus Ost- und Mitteleuropa sowie aus der Majority World nach wie vor begrenzt ist.
  • Die intersektionale Parität bleibt eine zentrale Herausforderung: Während viele Organisationen ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis erreichen, sind die Fortschritte in Bezug auf ethnische Zugehörigkeit, soziale Schicht, Barrierefreiheit und sozioökonomische Inklusion langsamer.
    Die Unterzeichnenden berichten, dass der begrenzte Zugang zu vielfältigen Talentpools, finanzielle Zwänge und externer Marktdruck weiterhin die intersektionale Gleichstellung behindern.
  • Neben der Gleichstellung der Geschlechter sind auch Fortschritte im Bereich der Intersektionalität zu verzeichnen: Im Jahr 2025 hat sich ein Drittel der berichtenden Unterzeichnenden zu intersektionalen Verpflichtungen in Bezug auf ethnische Zugehörigkeit, soziale Schicht, Barrierefreiheit und
    sozioökonomischen Hintergrund verpflichtet. Von diesen gaben 78,8 % an, dass sie erhebliche Fortschritte wahrgenommen haben.
  • Das Bewusstsein und die Rechenschaftspflicht haben zugenommen, wobei die Unterzeichnenden berichten, dass die Verpflichtung
    die interne Entscheidungsfindung, Überwachung und Organisationskultur beeinflusst hat.

Von Den Erkenntnissen zu Maßnahmen

Der Bericht betont die Notwendigkeit für die Musikindustrie, über Schlagzeilenthemen hinauszugehen und einen systemischen Wandel anzustreben.
Dazu gehören:

  • Ein breiteres Engagement über Festivals hinaus, über Labels, Verlage, Rundfunkanstalten, Agenturen und Bildungseinrichtungen hinweg;
  • Verbesserte Berichterstattungsinstrumente und Anreize für eine langfristige Rechenschaftspflicht;
  • Stärkere Unterstützungsstrukturen für Organisationen, die sich für intersektionale Gleichberechtigung einsetzen;
  • Investitionen in Führungskarrieren für Menschen unterschiedlichen Geschlechts und unterschiedlicher Herkunft.

Als Reaktion darauf bestätigt Keychange, dass die Ergebnisse dieses Reports direkt in die nächste Phase der Initiativen-Arbeit einfließen, darunter die Entwicklung neuer digitaler Tools für Unterzeichnende und eine erneute Fokussierung auf Führungsqualitäten und Talentpipelines.

„The data makes one thing clear: progress happens when accountability meets action,” sagt Lea Karwoth, Keychange Leaders Project Lead; „Our next steps focus on equipping organisations – and individuals – with the tools, knowledge, and leadership pathways needed to create lasting change.”

Und jetzt? 

Auf den Keychange Pledge Report wir die Veröffentlichung des Keychange Toolkits und des Online Signatory Environments folgen, die Organisationen mit praktischen Anleitungen, Benchmarking und Peer-Learning unterstützen sollen. Kurz vor dem Internationalen Weltfrauentag wird Keychange außerdem die Teilnehmenden des Talent Leadership Programms 2026 bekannt geben. Damit werden die Erkenntnisse des Berichts in konkrete Investitionen in die nächste Generation von Musiker*innen und Professionals unterrepräsentierter Geschlechter umgesetzt. 

Über Keychange

Keychange ist die wegweisende internationale Initiative, die die Zukunft der Musikbranche gestaltet, indem sie Festivals und Musikorganisationen dazu ermutigt, mindestens 50 % Frauen und geschlechtsdiverse Personen in ihre Programme, Teams und darüber hinaus einzubeziehen. Bereits mehr als 300 herausragende Künstler*innen und Branchenprofis wurden durch die Talententwicklungsprogramme von Keychange bereits gestärkt – in über 13 Ländern Europas sowie in Kanada.

Das Keychange Talent Leadership Programme ist Teil der übergeordneten Keychange-Bewegung, die von der Europäischen Union und Branchenpartner*innen gefördert wird und sich für eine gerechtere und inklusivere Musikindustrie einsetzt. Das Programm läuft bis April 2027 und fördert jedes Jahr 40+ neue Führungspersönlichkeiten aus Europa und Kanada. Damit wird ein Impuls geschaffen, der die Repräsentation und Gleichstellung im globalen Musikökosystem nachhaltig stärkt.

Keychange hat das Ziel eine inklusivere Musikindustrie für heutige und kommende Generationen zu schaffen. Alle Musikorganisationen sind eingeladen, die Keychange Pledge zu unterzeichnen, um eine vielfältigere und gerechtere Branche zu erreichen. Die Pledge kann hier unterzeichnet werden.

Partner*innen von Keychange Leaders sind:

RBX/Reeperbahn Festival, Shiftworks/Tallinn Music Week, Musikcentrum Öst, Keychange (ASBL), Music Export Poland, SACEM, Oslo World, Workshops of Culture Lublin/Different Sounds Festival, Artist in Bloom, PRS Foundation, FACTOR, SOCAN Foundation, STIM, Arts Council of Sweden, GEMA, Schweizerischer Kunstfonds Pro Helvetia und Talent Norge.
Weitere Informationen unter www.keychange.eu