Mit großer Trauer nimmt die Internationale Bachakademie Stuttgart Abschied von ihrem Gründer und langjährigen Leiter Helmuth Rilling, der am 11. Februar 2026 im Alter von 92 Jahren in Warmbronn im Kreise seiner Familie verstorben ist. Mit der Gründung der Gaechinger Cantorey Stuttgart (1954) und der Internationalen Bachakademie Stuttgart (1981) schuf Rilling Institutionen von weltweiter Strahlkraft und prägte über Jahrzehnte das internationale Musikleben. Helmuth Rilling machte Stuttgart zu einem bedeutenden Zentrum der Bachpflege und öffnete Generationen von Musiker:innen den Zugang zu Johann Sebastian Bachs geistlichem Werk. Für sein unermüdliches Wirken wurde ihm 1993 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen.
Hans-Christoph Rademann, Akademieleiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart seit 2013, äußerte sich wie folgt: „Helmuth Rillings Tod ist ein schwerer Verlust für die Musikwelt. Er hat unzähligen Menschen auf der ganzen Welt den Geist der Bach’schen Musik vermittelt und Generationen von Musiker:innen geprägt. Für mich persönlich war er ein Lehrmeister, von dem ich unglaublich viel lernen durfte. Ich verneige mich vor einem großen Menschen und Musiker mit einer beeindruckenden Lebensleistung. Die Internationale Bachakademie Stuttgart wird seine Arbeit in seinem Sinne fortsetzen. Meine Gedanken sind bei Martina Rilling und der gesamten Familie.“
Helmuth Rilling wurde 1933 in Stuttgart geboren. Ab 1957 wirkte er als Kirchenmusiker und Hochschulprofessor in Stuttgart, Berlin und Frankfurt. Sein künstlerischer Schwerpunkt galt zeitlebens dem geistlichen Werk Johann Sebastian Bachs. Mit seinen ab 1970 entstandenen Kantatenaufnahmen setzte er Maßstäbe, die im Jahr 2000 in der ersten Gesamteinspielung aller Werke Bachs mündeten. Rillings Gesprächskonzerte, Akademien und internationale Nachwuchsarbeit trugen entscheidend zur weltweiten Verbreitung der Bach’schen Musik bei. Als Dirigent arbeitete er mit führenden Klangkörpern weltweit; besondere Bedeutung hatte seine künstlerische Verbindung zum Israel Philharmonic Orchestra, das er 1970 als erster deutscher Dirigent nach dem Zweiten Weltkrieg leitete. Auch als musikalischer Brückenbauer setzte er Zeichen – unter anderem am 3. Oktober 1990, als er die Berliner Philharmoniker beim Staatsakt zur deutschen Wiedervereinigung dirigierte. 2013 erfolgte die Stabübergabe an den Dresdner Chorleiter Hans-Christoph Rademann. Im Dezember 2018 verabschiedete sich Helmuth Rilling von der Konzertbühne.