Abbildung: Gruppenfoto
Übergabe der Stiftungsprofessuren; v. lks.: Prof. Gesa Beh­rens, Dr. Do­ro­thee Freu­den­berg (Vor­stands­vor­sit­zen­de Stif­tung CI­TOY­EN), Bea­te Gott­schall-von Plott­nitz (stellv. Vor­sit­zen­de Stif­tung CI­TOY­EN), Mar­kus Bertsch (Ge­schäfts­füh­rer Pro Ci­vi­bus Stif­tung), Dr. Lai­la Wei­gand, Hel­ga Die­richs (Grün­dungs­stif­te­rin Stif­tung CI­TOY­EN), Kers­tin Rei­mers (Pro­jekt­ma­na­ge­rin Stif­tung CI­TOY­EN), Prof. El­mar Ful­da  
Foto: Esmeray Coskunkal

Der neue Hochschulpakt des Landes Hessen mit den hessischen Hochschulen bringt Abbau in allen Leistungsbereichen. Deshalb entstehen kaum neue Professuren. An der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK) ist genau das jetzt gelungen: Die HfMDK richtet gemeinsam mit der Stiftung CITOYEN und der Pro Civibus Stiftung eine Stiftungsprofessur für „Elementare Musikpädagogik“ (EMP) ein.

Mit der Übergabe der Stiftungsurkunde durch HfMDK-Präsident Prof. Elmar Fulda an die Stiftungen fällt der offizielle Startschuss für die Ausschreibung der Professur. Die Stiftung CITOYEN und die Pro Civibus Stiftung fördern die neue Professur von 2027 bis 2031 mit insgesamt 250.000 Euro. Die auf fünf Jahre angelegte Förderung schafft nicht nur eine neue Professur, sondern eröffnet zugleich die Perspektive für den Aufbau eines Kompetenzzentrums für Elementare Musikpädagogik an der HfMDK.

Wenn Sparzwänge auf Gestaltungswillen treffen

Für die HfMDK ist die neue Professur mehr als eine erfreuliche personelle Verstärkung. Sie ist eine konkrete Antwort auf die deutlich verschärften finanziellen Rahmenbedingungen, die auf die hessischen Hochschulen zukommen – und sie zeigt wie sich Zukunft auch unter schwierigen Rahmenbedingungen gestalten lässt.

„Die Herausforderungen, vor denen die Hochschulen stehen, sind real“, sagt HfMDK-Präsident Prof. Elmar Fulda. „Wir kürzen in allen Leistungsbereichen, auf Grund der Altersstruktur unseres Personals vor allem bei den Professuren – also genau bei den Leistungsträgern, die unseren Bildungsauftrag erfüllen. Umso wichtiger ist es, nicht in eine Mangel-Verwaltung zu geraten. Diese Stiftungsprofessur zeigt, dass sich gemeinsam mit starken Partnern aus der Bürgergesellschaft neue Perspektiven eröffnen lassen. Sie ist ein Signal der Zuversicht und der Gestaltungskraft.“

Möglich wird dieses Vorhaben durch die Stiftung CITOYEN, die sich – oftmals gemeinsam mit der Pro Civibus Stiftung – seit vielen Jahren für kulturelle Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und Chancengerechtigkeit engagiert. Bereits mit Projekten wie „Musik in der Kindheit“ hat sie nachhaltige Impulse für den Zugang junger Menschen zu Kunst und Kultur gesetzt.

„Kulturelle Bildung ist keine Zusatzaufgabe, sondern eine Investition in das gesellschaftliche Miteinander“, sagt Frau Dr. Dorothee Freudenberg, Vorstandsvorsitzende der Stiftung CITOYEN. „Die Elementare Musikpädagogik erreicht Menschen unabhängig von Alter, Herkunft oder Vorerfahrung. Dass dieses Potenzial nun an Hessens einziger Hochschule für Musik, Theater und Tanz gestärkt werden kann, hat uns überzeugt.“

Wo kulturelle Teilhabe beginnt

Die Elementare Musikpädagogik gehört zu den Grundlagen musikalischer Bildung. Sie eröffnet Menschen einen unmittelbaren Zugang zu Musik und verbindet Klang, Bewegung, Sprache und kreatives Gestalten. Dabei geht es nicht allein um musikalische Fähigkeiten, sondern auch um Kommunikation, Persönlichkeitsentwicklung und soziale Teilhabe.

Die neue Professur soll das Fach langfristig in Forschung, Lehre und Transfer stärken. Geplant sind eine stärkere curriculare Verankerung in den musikpädagogischen Studiengängen, innovative Lehr- und Praxisformate sowie eine enge Zusammenarbeit mit Kitas, Schulen und sozialen Einrichtungen in Frankfurt und der Region.

Gerade in einer Zeit, in der Bildungsdebatten häufig von technologischen und ökonomischen Fragestellungen dominiert werden, setzt die neue Partnerschaft ein bewusstes Zeichen für die gesellschaftliche Bedeutung der Künste.

„Musik, Tanz und Theater sind keine Nebenschauplätze unserer Bildungslandschaft“, so Fulda. „Sie fördern Kreativität, Empathie und Ausdrucksfähigkeit. Sie ermöglichen kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe. Wer kulturelle Bildung stärkt, stärkt die Grundlagen einer offenen und lebendigen Gesellschaft.“

Die neue Stiftungsprofessur versteht sich deshalb auch als Einladung: an alle, die davon überzeugt sind, dass die Zukunft des Bildungs- und Kulturstandorts Frankfurt nicht allein eine Aufgabe staatlicher Institutionen ist, sondern eine gemeinsame Verantwortung von Hochschule, Bürgergesellschaft und engagierten Förderern.