Ein leuchtend rotes Schild in Form einer großen Stele weist ab sofort auf einen ehrgeizigen Plan hin: Die Deutsche Liszt-Gesellschaft e.V. möchte im Mai 2029 ein einzigartiges Denkmal für eine legendäre Künstlerfreundschaft in Weimar errichten. Unter dem Titel „Liszts Traum“ soll auf dem Rasenstück vor dem Stadtpalais Altenburg – Franz Liszts langjährigem Wohn- und Wirkungsort – ein bis zu vier Meter hohes Erinnerungsmomentum aufgestellt werden.

Dieses kreativ noch zu erschaffende Momentum, das in seiner Gestalt keinesfalls an das Goethe-Schiller-Denkmal vor dem Deutschen Nationaltheater in Weimar erinnern soll, wird erstmals Franz Liszt und Richard Wagner gemeinsam gewidmet sein. Denn Wagner flüchtete 1849 aus Dresden und traf seinen Freund Franz Liszt im Mai 1849 im Stadtpalais „Altenburg“ (Jenaer Straße 3 in Weimar). Liszt half dem damals steckbrieflich gesuchten Wagner, sich zu verstecken – und ins Ausland zu entkommen. Er rettete ihm damit das Leben.

Das rote Schild wirft nun seinen großen Schatten voraus. Enthüllt wurde es am Donnerstag, 11. Juni von einer Reihe namhafter Thüringer*innen, darunter Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin a.D., Ralf Kirsten, Kulturbürgermeister der Stadt Weimar und Hellmut Seemann, ehemaliger Präsident der Klassik Stiftung Weimar und Ehrenmitglied der Deutschen Liszt-Gesellschaft e.V. Zu Gast war auch Margit Fröhlich, Direktorin des Burgenländischen Landesmuseums Eisenstadt, denn das Denkmalprojekt wird freundlich unterstützt vom Burgenland der Republik Österreich

„Das geplante Denkmal würdigt nicht nur zwei herausragende Komponisten, sondern auch die Kraft von gegenseitiger Inspiration, kulturellem Austausch und menschlicher Beziehungen“, sagt Margit Fröhlich. „Für das Burgenland ist die Mitwirkung an diesem Vorhaben ein Bekenntnis zu unserem kulturellen Erbe, zur europäischen Idee und zu Franz Liszt, dessen Lebensweg sein Geburtsort Raiding und Weimar bis heute auf besondere Weise miteinander verbindet.“

Initiiert wurde das Denkmalprojekt von Prof. Dr. Wolfram Huschke, dem amtierenden Präsidenten der Deutschen Liszt-Gesellschaft, in enger Kooperation mit Udo Carstens, dem Geschäftsführer der Weimarer Wohnstätte GmbH als Inhaberin des Grundstücks und der denkmalgeschützten Altenburg.

Das Erinnerungsmomentum „Liszts Traum“ bezieht sich auf eine Passage aus Liszts Testament vom 14. September 1860, in der er seine Freundschaft zu Wagner gewürdigt und die Möglichkeiten umrissen hat, die sich daraus für Weimar ergeben hätten: „Zu einer bestimmten Zeit (es sind etwa zehn Jahre her) hatte ich für Weymar eine neue Kunstperiode erträumt, ähnlich der von Carl August, wo Wagner und ich die Coryphäen gewesen wären, wie einst Goethe und Schiller. Die Engherzigkeit, um nicht zu sagen der schmutzige Geist gewisser örtlicher Verhältnisse, alle Arten von Missgunst und Dummheit von draußen wie drinnen haben die Verwirklichung dieses Traumes zunichte gemacht …“ (zitiert nach Serge Gut, Franz Liszt, dt. Fassung 2009, S. 690).

Liszts und Wagners Künstlerfreundschaft ist mindestens so berühmt wie diejenige von Goethe und Schiller. Analog zum klassischen Dichterpaar in Weimar haben die beiden aber nirgendwo ein Doppel-Denkmal erhalten. Beide Musik-Genies vereint ihre Selbstdefinition als „Zukunftsmusiker“ – beide gerieten an die Ränder der Tonalität, beide waren gewissermaßen Bindeglieder zwischen Beethoven und Debussy, zwischen reifer Klassik und früher Moderne.

Nähere Informationen: www.deutsche-liszt-gesellschaft.de