Der Bundesverband Musikunterricht (BMU) und die Deutsche Gesellschaft für Schulmu-sik (DGS) fordern in einem gemeinsamen Positionspapier eine grundlegende Reform des Musikabiturs. Anlass ist die anstehende Überarbeitung der Prüfungsanforderungen durch die Kultusministerkonferenz (KMK). Kreative Prüfungsformate wie Komponieren oder Improvisieren sollen das bisherige Aufgabenspektrum ergänzen. Zudem verlangen BMU und DGS, Musik als vollwertiges Abiturfach in allen Bundesländern zu etablieren.
„Ein zeitgemäßes Musikabitur muss die kreative Praxis ebenso ernst nehmen wie die theoretische Auseinandersetzung“, heißt es in dem Positionspapier. Die Verbände kriti-sieren: In den meisten Fällen dominiert die schriftliche Werkanalyse das Musikabitur. Kreative Aufgabenformate sind zwar in den bundesweiten Vorgaben bereits jetzt vorge-sehen, werden aber nicht in allen Bundesländern genutzt. Das schrecke musikalisch begabte Schüler:innen ab, die nicht primär analytisch arbeiten.
Konkret fordern BMU und DGS: Eigenständige Kompositionen, Arrangements, Improvi-sationen und projektorientierte Arbeiten sollen gleichberechtigt neben die klassische Werkanalyse treten. So würden kulturelle Vielfalt, unterschiedliche musikalische Bega-bungen und Kompetenzen gleichwertig anerkannt – von der klassischen Werkanalyse bis zur digitalen Musikproduktion.
Dr. Martin Weber, Sprecher der DGS, betont, dass der Musikunterricht in der gymnasia-len Oberstufe auch Anschluss an die vielfältige Welt musikbezogener Berufe ermögli-chen solle. Dazu sei es notwendig, das Aufgabenspektrum im Abitur zeitgemäß weiter-zuentwickeln, ohne dass das Anspruchsniveau sinke. Prof. Dr. Jürgen Oberschmidt, Präsident des BMU, ergänzt: „Kreative Aufgaben sind in den bundesweiten Vorgaben längst vorgesehen – werden aber bei Weitem nicht überall umgesetzt. Die anstehende Überarbeitung der einheitlichen Prüfungsanforderungen muss das verbindlich machen und Anregungen zur konkreten Umsetzung geben.“
Die Verbände appellieren an die Kultusministerkonferenz, die Vorschläge bei der Über-arbeitung zu berücksichtigen.
Das vollständige Positionspapier finden Sie hier.