Für sein künstlerisches Schaffen und sein vielfältiges Engagement für die deutsche Popularmusik und Sprache erhielt Achim Reichel heute den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Als Musiker, Texter und Produzent prägte er über sechs Jahrzehnte die Pop- und Rockmusik in Deutschland. Seine Karriere begann er als Gitarrist und Sänger der Hamburger Beatband „The Rattles“ und wurde später mit Titel wie „Aloha heja he“ berühmt. Mit seinem vielfältigen Schaffen brachte er auch Volkslieder und klassische Dichtung in zeitgemäßer Form einem breiten Publikum näher. Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien überreichte ihm die Auszeichnung heute im Rathaus.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Seit mehr als 60 Jahren steht Achim Reichel für Kreativität, Wandel und musikalische Neugier. Als prägende Figur der Rattles in den 60er-Jahren, als Mitgestalter des legendären Star-Clubs und als vielseitiger Solokünstler hat er die Popularmusik über Jahrzehnte hinweg entscheidend mitgeprägt. Sein Schaffen ist geprägt von musikalischer Exzellenz und einer großen Liebe zur deutschen Sprache. So hat er mit Vertonungen klassischer Dichtung und innovativen Neuinterpretationen deutscher Volkslieder das kulturelle für ein breites Publikum neu erfahrbar gemacht. Zu dieser besonderen Lebensleistung gratuliere ich herzlich zum wohlverdienten Bundesverdienstorden und danke ihm für sein langjähriges, leidenschaftliches Engagement.“

Achim Reichel: „Ich empfinde diese Auszeichnung weniger als Ehrung meiner Person, sondern als Anerkennung eines Weges. Eines Weges, der von der Lust getragen war, Grenzen zu verschieben und vielleicht sogar ein wenig anders auf die Welt zu schauen. Getragen von der Erkenntnis, dass Kultur kein Luxus ist, sondern ein Lebensnerv.“

Zur Person

Joachim „Achim“ Reichel ist am 28. Januar 1944 in Wentorf bei Hamburg geboren. Seit den frühen 1960er Jahren prägt er die deutsche Musikszene maßgeblich. Seine Karriere begann als Gitarrist und Sänger der Hamburger Beatband „The Rattles“, mit der er 1963 den ersten Star-Club-Wettbewerb für Nachwuchsbands gewann und im legendären Cavern Club in Liverpool auftrat. Nach seinem Wehrdienst gründete Reichel 1968 die Band „Wonderland“ und wurde Mitpächter des Hamburger „Star-Club“, einer in den sechziger Jahren wichtigen Bühne für internationale Musikgrößen wie Jimi Hendrix und den Beatles.

In den 1970er Jahren startete Reichel seine Solo-Karriere unter dem Namen „A.R. & Machines“ und veröffentlichte mehrere Alben mit experimenteller Musik, die als Vorreiter der Ambient- und Lounge-Musik gelten. Zudem gründete er mit Frank Dostal den Musikverlag „Gorilla Music“ und das Label „Ahorn“, um deutschsprachiger Rockmusik eine Plattform zu bieten. Dabei entdeckte er Bands wie „Ougenweide“ und „Novalis“. Reichels Werk ist tief in der deutschen Sprache, Literatur und Volksliedtradition verwurzelt. Er vertonte Werke von Theodor Fontane, Johann Wolfgang von Goethe und Christian Morgenstern und machte traditionelle Lieder mit Alben wie „Die Regenballade“ und „Volxlieder“ einem breiten Publikum zugänglich. Für seine Verdienste erhielt er 2014 den „Elbschwanenorden“ des Vereins für Deutsche Sprache.

Als Live-Musiker wurde Reichel 1986 vom Goethe-Institut als musikalischer Botschafter auf eine Tournee durch Südostasien eingeladen. Er wirkte als Schauspieler im Kinofilm „Va Banque“ mit und schrieb den Titelsong. Zudem produzierte er TV-Sendungen mit dem NDR zur Pflege und Modernisierung des deutschen Volksliedguts. In den letzten Jahrzehnten präsentierte er seine Musik in einem innovativen Konzertformat, das Gesang und Erzählung verbindet. 2020 veröffentlichte er seine Autobiografie „Ich hab das Paradies gesehen“, die zum Bestseller wurde. 

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