Johannes Brahms
Johannes Brahms, Fotografie im Visitformat Hamburg 1862  
Foto:  F. König  /  Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck

Das Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck (MHL) hat in New York einen bisher unveröffentlichten Brief des Komponisten Johannes Brahms erworben. Der zweiseitige Brief wird künftig die kostbare Lübecker Sammlung bereichern und in das weltweit beachtete Brahms-Briefwechsel-Verzeichnis (BBV) eingehen, mit dem das Brahms-Institut bereits rund 10.800 Briefe von und an Johannes Brahms online zugänglich macht. 

Institutsleiter Prof. Dr. Wolfgang Sandberger erwarb den zweiseitigen, in sauberer Handschrift geschriebenen Brief in einem New Yorker Auktionshaus. Der 31-jährige Brahms schrieb ihn im Juni 1864 an den Verleger Selmar Bagge, der ihn um einen kompositorischen Beitrag für seine „Allgemeine Musikalische Zeitung“ gebeten hatte. Dem Brief lag ursprünglich das bis dahin ungedruckte Manuskript der Orgelfuge in as-Moll (WoO 8) bei, die Brahms bereits einige Jahre zuvor geschrieben und Clara Schumann gewidmet hatte. „Wunderbar schöne, innige Fuge in As-moll“, vermerkt Clara Schumann dazu in ihrem Tagebuch. Brahms dagegen beginnt sein Schreiben mit der für ihn so charakteristischen Ironie und Tiefstapelei: „Hier der gewünschte Zettel. Ich habe keine Idee wie viel Seiten das gedruckt giebt u. will nur hoffen daß es der Mühe werth ist über ein gesetztes Maß hinaus zu gehen.“

Sandberger erläutert: „Brahms äußerte sich selten schriftlich zu seinen Werken. Umso interessanter ist dieser pointiert geschriebene Brief für unsere Lübecker Sammlung. Trotz Bagges kritischem Einwand besteht Brahms auf der ungewöhnlichen Tonart mit sieben Vorzeichen.“ Brahms betont in seinem Schreiben auch, dass die Fuge zunächst in seinem Eigentum verbleiben soll: für den Fall, dass er sie später einmal „in Gesellschaft ihrer geborenen und ungeborenen Geschwister“ veröffentlichen wolle. Hier verweist er offensichtlich auf weitere seiner Orgelwerke, die er noch zu veröffentlichen und zu komponieren gedenkt.

Der neue Brief wird in das Brahms-Briefwechsel-Verzeichnis (BBV) aufgenommen, ein wichtiges Grundlagenwerk für die Forschung zu Leben und Werk von Johannes Brahms. Entstanden als Forschungsprojekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), gehört es zu den weltweit am meisten beachteten Projekte des Lübecker Instituts und ist als Internet-Datenbank frei zugänglich unter www.brahms-institut.de. Das Brahms-Institut an der MHL ist ein internationales Kompetenz- und Dokumentationszentrum zu Leben und Werk des Komponisten Johannes Brahms (1833-1897) und erweitert seine Sammlung stetig.