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02.07.2018 Studie der Universität Oldenburg untersucht Zusammenhang zwischen familiärem Musizieren und Persönlichkeitsentwicklung

 

In rund zehn Prozent aller Familien in Deutschland mit Kindern im Grundschulalter wird täglich musiziert oder gesungen, bei einem knappen Drittel finden zumindest einmal wöchentlich gemeinsame musikalische Aktivitäten statt. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Prof. Dr. Gunter Kreutz vom Institut für Musik und Prof. Dr. Michael Feldhaus vom Institut für Sozialwissenschaften der Universität Oldenburg, die kürzlich in der Fachzeitschrift Musicae Scientiae erschien. Die beiden Forscher nutzten Daten der so genannten pairfam-Studie (Panel Analysis of Intimite Relationships and Family Dynamics), einer 2008 gestarteten soziologischen Längsschnittstudie, die Partnerschaften und Familien in Deutschland erforscht. Den Ergebnissen der beiden Oldenburger Wissenschaftler zufolge verbessert Musik die Familienbeziehungen langfristig.

„Das gemeinsame Singen und Musizieren wirkt sehr positiv in Familien hinein“, betont Kreutz. Zusammen mit Feldhaus wertete er Daten zum Freizeitverhalten von 839 Familien mit Kindern im Alter zwischen sieben und 14 Jahren aus, die insgesamt vier Mal im Abstand von zwei Jahren befragt wurden. Die Forscher betrachteten die Freizeitaktivitäten „Singen und Muszieren“, „Bücherlesen und Geschichtenerzählen“ sowie „Einkaufen“. Gleichzeitig werteten sie Fragen zur Sicht der Eltern auf die Persönlichkeit ihrer Kinder aus. „Es ging zum Beispiel darum, ob die Eltern ein vertrauensvolles Verhältnis mit den Kindern haben, wie offen sie miteinander reden, wie sehr sie ihre Kinder wertschätzen und das auch im Alltag zum Ausdruck bringen“, erläutert Kreutz.

Die Oldenburger Wissenschaftler fanden heraus, dass in Familien mit jüngeren Kindern mehr gelesen und gesungen wird als in Familien mit Teenagern, während die Rolle des Einkaufens in etwa gleich bleibt. „Das entspricht der normalen Entwicklung, weil die Kinder mit den Jahren immer selbständiger werden“, so Feldhaus. Ein weiteres Ergebnis: Der Umfang der musikalischen Aktivitäten in einer Familie hängt nicht mit dem Haushaltseinkommen zusammen, wohl aber mit dem Bildungsgrad der Eltern. „Es gibt keine ökonomische Barriere, die Eltern davon abhält, ihre Kinder regelmäßig an musikalischen Aktivitäten teilnehmen zu lassen“, betonen die Autoren. Sie vermuten, dass Familien die Begeisterung für Musik von Generation zu Generation weitergeben.

Die Auswertung der Daten zeigt außerdem, dass in Familien, die viel miteinander musizieren, eine größere Vertrautheit herrscht als in jenen, in denen Musik keine wichtige Rolle spielt. Darüber hinaus beurteilten die Eltern in diesen Familien das Sozialverhalten ihrer Kinder positiver als andere Eltern. Diese Ergebnisse bestätigten Theorien, denen zufolge Musik empathische und soziale Fähigkeiten bei Kindern verbessert, so die Forscher. Die Daten deuten außerdem darauf hin, dass Musik die nonverbale Kommunikation innerhalb einer Familie erleichtert. Die Forscher führen das darauf zurück, dass Sinneswahrnehmungen und Aufmerksamkeit beim Musizieren eine große Rolle spielen. Gemeinsame musikalische Aktivitäten bieten den Autoren zufolge überdies eine Möglichkeit, die Beiträge der Kinder zum Familienleben und ihre Fähigkeiten anzuerkennen und wertzuschätzen.

„Ich würde mir wünschen, dass mehr Eltern regelmäßig mit ihren Kindern musizieren“, ist Kreutz‘ Fazit. Dass Singen und Musizieren Spaß machen, sei eine wichtige Erfahrung, auf die Menschen im Laufe ihres Lebens immer wieder zurückkommen könnten. Er plädiert daher dafür, bereits im Kindergarten mehr Wert auf musikalische Bildung zu legen.

Gunter Kreutz, Michael Feldhaus: “Does music help children grow up? Parental views from a longitudinal panel study”. Musicae Scientiae, doi: 10.1177/1029864918782581

Quelle: https://www.uni-oldenburg.de

 
 

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