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25.03.2020 UdK Berlin sieht durch Digitalisierung Herausforderung und Chance für Lehre und künstlerisches Arbeiten

 

Die Mitglieder der Berliner Landeskonferenz der Rektor*innen und Präsident*innen danken dem schnellen und umsichtigen Agieren des Wissenschaftssenators Michael Müller und dessen Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung Steffen Krach im Interesse der Gesundheit der Bürger*innen. Mit ihrem Entschluss, den Berliner Hochschulen eine zusätzliche finanzielle Unterstützung und damit eine zügige Weiterentwicklung und Umsetzung digitalisierter Lehr-, Lern- und Prüfungsformen zu gewähren, setzen sie zugleich für den größten Hochschulstandort Deutschlands ein wichtiges Zukunftssignal.

Die Berliner Hochschulen werden alles in ihrer Macht Stehende organisieren, um für die mehr als 150.000 Studierenden kontaktlose Formate zu entwickeln und, wo möglich, beginnend zum 20. April 2020 umzusetzen. Wir sind beeindruckt von der Kreativität in unseren Hochschulen. Das Engagement unserer Lehrenden und Forschenden, so viele neue Formate und Veranstaltungen wie möglich anzubieten, ist für uns alle herausragend und Motivation zugleich.

Die Hochschulen setzen dabei auf schon vorhandene Formate, werden neue entwickeln und bewährte Formate für den breiten Zugang vieler Student*innen ermöglichen. Das beinhaltet auch die Bemühungen, Veranstaltungen, die Präsenz erfordern, wie Praktika oder Exkursionen, unter anderen Bedingungen stattfinden zu lassen oder zu ersetzen. Sie könnten beispielsweise unter bestimmten Vorgaben zeitversetzt in Blockveranstaltungen stattfinden.

Dabei ist es klar, dass alle Hochschulmitglieder und damit die Hochschulen mit ihren Studiengängen insgesamt an ihre Grenzen stoßen und gleichzeitig aber auch Neues entwickeln werden. Nicht nur in Lehre und Forschung, auch in unseren Verwaltungen werden wir teilweise neue Wege beschreiten müssen. Auch erfordert der Transfer ins Digitale gerade für künstlerische Hochschulen eine neue Unterrichtsweise, die sich nicht am analogen Erlebnis messen kann und stattdessen eigenständige Ausdrucksformen suchen muss. Wir begreifen dies aber als Einladung zum Experiment und nicht als grundsätzliche Absage an die Lehre. Daher wird dieses für uns alle herausfordernde Sommersemester ein Besonderes sein.

Prof. Dr. Norbert Palz, Erster Vizepräsident ab dem 1. April Präsident der Universität der Künste Berlin: „Der Versuch, die gewohnte künstlerische und gestalterische Praxis in einen digitalen Raum zu transferieren wird zwangsläufig auf das künstlerische Werk einwirken und es verändern. Dies experimentell zu untersuchen, die ungewohnten Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine zu studieren und nach eigenen medientypischen Formen des künstlerischen Schaffens zu suchen, kann ein spannender Prozess sein, der wieder in die gewohnte künstlerische Praxis zurückwirken kann. Wir wollen aus diesem Grunde die besonderen Umstände dieses Semesters dafür verwenden neue Erfahrungen zu machen und vielleicht auch andere Wege zukünftigen Lernens, Lehrens und größerer Teilhabe zu erkunden. Diese besondere Exploration im digitalen Raum wird allerdings auch in Zukunft das Arbeiten an der Schneiderpuppe, die körperliche Interaktion bei Tanz und Oper oder die Arbeit an der Leinwand nicht ersetzen, denn sie sind und bleiben die Kontur unserer Identität als künstlerische Hochschule. Im Verbund der Berliner Hochschulen sind wir der Auffassung, trotz der komplexen gegenwärtigen Umstände das Konzept eines Semsterbetriebs weiter aufrechtzuerhalten, denn es ist wichtig, dass Studierende nach Möglichkeit weiter ihr Studium verfolgen können. Damit dies allerdings gelingt, müssen wir die unterschiedlichen technischen und ökonomischen Bedingungen der Studierenden im Blick haben, um individuelle Nachteile und Ausgrenzung zu vermeiden.“

Die Berliner Hochschulen rufen ihre Mitglieder zu solidarischem Handeln untereinander und in Bezug auf Orte und Personen in der Stadt auf, die besonderer Unterstützung bedürfen. Wir danken allen, die sich hierbei verantwortlich einbringen und werden auch deren Situation entsprechend berücksichtigen.

Die Berliner Hochschulen müssen und wollen über Kulanz Härten und die Folgen besonders herausfordernder Lebenslagen ausgleichen sowie eine breite Teilhabe ermöglichen. Denn wir sind uns bewusst, dass sich diese für Student*innen, Lehrende und Hochschulmitglieder auch über die individuell unterschiedlichen zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten bestimmt.

Das Ausrufen eines generellen Nichtsemesters halten wir zum jetzigen Zeitpunkt für kontraproduktiv. Das Signal der Berliner Hochschulen heißt stattdessen: Ermöglichung und digitaler Aufbruch.

Quelle: https://www.udk-berlin.de