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11.03.2019 Dirigent Michael Gielen ist verstorben

 

Der frühere Chefdirigent des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg Michael Gielen ist tot. Der deutsch-österreichische Komponist starb nach Angaben seiner Familie am 8. März 2019 im Alter von 91 Jahren in seinem Haus am Mondsee/Österreich. Gielen hatte 1986 das Sinfonieorchester des Südwestfunks übernommen, das 1996 in SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg umbenannt wurde. Er leitete den Klangkörper bis 1999 und galt mit seinem umfangreichen Repertoire von Bach bis zur Moderne, von sinfonischer Literatur bis zur Oper, als einer der größten Dirigenten der Gegenwart. SWR Intendant Boudgoust: Gielen hat stets das Werk in den Mittelpunkt gestellt.

SWR Intendant Peter Boudgoust: "Wir haben mit Michael Gielen einen der großen Dirigenten des 20. Jahrhunderts verloren. Als Chefdirigent hat er das SWR-Sinfonieorchester in den 1980er Jahren zu noch größerer künstlerischer Größe geführt. Statt sich selbst hat Michael Gielen stets das Werk in den Mittelpunkt gestellt. Besonders für die Musik der Nachkriegszeit hat er sich unermüdlich eingesetzt. Michael Gielen war nicht nur ein begnadeter Musiker, sondern ist auch meinungsstark für die Orchestervielfalt eingetreten. Sein Tod macht uns betroffen und traurig."

Zahlreiche Auszeichnungen

Michael Gielen wurde am 20. Juli 1927 in Dresden geboren. 1940 emigrierte er mit seiner Familie nach Argentinien. 1950 begann seine Karriere in Europa als Korrepetitor und Dirigent an der Wiener Staatsoper. Es folgten Chefdirigentenpositionen in Stockholm und Brüssel, in Cincinnati und Frankfurt, eine Kompositionsprofessur am Mozarteum in Salzburg und zahlreiche Anerkennungen. So erhielt er 2010 den Ernst-von-Siemens-Musikpreis und das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland.

Gefeierte Beethoven- und Mahler-Einspielungen Von 1986 bis 1999 war Michael Gielen Chefdirigent des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg, danach für weitere acht Jahre Ständiger Gastdirigent, später Ehrenmitglied des Orchesters, das eines der beiden Orchester ist, aus denen 2016 das SWR Symphonieorchester hervorging. Prominente Tourneen führten das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg mit Gielen durch Europa, in die USA, nach Japan und Afrika. Die Einspielungen der Beethoven- und Mahler-Sinfonien wurden zu Referenzaufnahmen, Schönbergs "Gurrelieder" mit dem Echo Klassik ausgezeichnet. Mutige, auch streitbare Programmzusammenstellungen wurden zu einem besonderen Markenzeichen der gemeinsamen Arbeit.

Quelle: https://www.swr.de

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Michael Gielen (20. Juli 1927 – 8. März 2019), einer der zentralen Dirigenten der vergangenen Jahrzehnte, der mit seinem Engagement für die Klassische Moderne und die zeitgenössische Musik, aber auch mit seinen zutiefst ernsthaften, auf die Substanz und den Kern der Werke zielenden Aufführungen des klassisch-romantischen Repertoires Bleibendes geleistet hat, ist im Alter von 91 Jahren verstorben.

Der Staatsoper Unter den Linden und der Staatskapelle Berlin war er als »Principal Guest Conductor« in besonderer Weise verbunden. Zwischen 1991, als er erstmals im Haus dirigierte – die von Ruth Berghaus inszenierte Neuproduktion von Debussys »Pelléas et Mélisande« –, und 2013 hat er zahlreiche Opernvorstellungen und Sinfoniekonzerte geleitet. In den Jahren danach war es ihm aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich, diese kontinuierlich gewachsene, auf wechselseitiger Zuneigung und Wertschätzung begründete Zusammenarbeit fortzusetzen. Die Verbundenheit mit der Staatsoper und der Staatskapelle, für die er sich gerade auch in kritischen Zeiten immer sehr eingesetzt hat, blieb über seine gesamte Lebenszeit erhalten.

Eine Fülle an eindrucksvollen Abenden verdanken wir Michael Gielen: die Erstaufführung von Alban Bergs Oper »Lulu« etwa, die 1997 im Haus Unter den Linden stattfand (zwei Jahre zuvor hatte er dieses Werk gemeinsam mit der Staatskapelle Berlin bereits bei den Salzburger Festspielen zur Aufführung gebracht), die vom Publikum wie der Presse gefeierte Premiere von Franz Schrekers »Der ferne Klang« 2001 in der Regie von Peter Mussbach, aber auch die Neuproduktionen von Bellinis »Norma« und Verdis »Macbeth« mit ihren innovativen künstlerischen Ansätzen. Seit 1999 dirigierte er regelmäßig die Staatskapelle Berlin, wobei er pro Saison ein sinfonisches Programm mit dem Orchester einstudierte und präsentierte, weit gefächert mit Musik von Beethoven und Schubert, Bruckner und Mahler, über Schönberg und seine Schüler bis hin zu Bernd Alois Zimmermann und Aribert Reimann. Mit hoher künstlerischer Verantwortung hat sich Michael Gielen dabei den aufführungspraktisch herausfordernden Werken der Neuen und Neuesten Musik zugewandt, aber auch den Klassikern der sinfonischen Literatur, die er in einer von allen unreflektierten Traditionen gereinigten Art und Weise wiederzugeben und zu vermitteln wusste. Die von ihm dirigierten Aufführungen in Oper wie Konzert haben eindrucksvoll bewiesen, das vermeintlich Bekannte in einem überraschend neuen und klaren Licht erscheinen zu lassen, im Zuge eines auf die Werke selbst hin konzentrierten, dirigentisch souveränen und gedankentiefen Musizierens, dessen Unbedingtheit und Energie sich auf alle, die es erlebt haben, unmittelbar übertragen hat.

In Michael Gielens Biographie spiegelt sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts, die politische wie die musikalische. Geboren in Dresden als Sohn des prominenten Opern- und Schauspielregisseurs Josef Gielen kam er 1936 nach Berlin. Auf Druck der Nationalsozialisten ging die Familie zwei Jahre darauf nach Wien, um 1940 nach Buenos Aires zu emigrieren, da der Vater dem Regime kritisch gegenüberstand und die Mutter jüdischer Abkunft war. In Buenos Aires, wo Josef Gielen am Teatro Colón engagiert war, kam der junge Michael Gielen u. a. mit Erich Kleiber in Kontakt, der ihn sehr prägte, zudem auch mit Wilhelm Furtwängler. Er studierte Klavier und Musiktheorie, darüber hinaus begann er auch zu komponieren. Seine musikalische Tätigkeit begann er als Korrepetitor am Teatro Colón, nach seiner Rückkehr nach Europa arbeitete er ab 1950 in gleicher Funktion an der Wiener Staatsoper, wo er von Dirigenten wie Herbert von Karajan, Karl Böhm und Clemens Krauss beeinflusst wurde. Ab 1960 hatte Michael Gielen dann Leitungspositionen an Opernhäusern sowie bei Orchestern inne – zunächst an der Königlichen Oper in Stockholm, ab 1969 dann beim Belgischen Nationalorchester in Brüssel, ab 1973 dann an der Niederländischen Oper in Amsterdam. Das Jahrzehnt zwischen 1977 und 1987, als Michael Gielen gemeinsam mit Ruth Berghaus legendäre Produktionen an der Oper Frankfurt realisierte (zudem war er Leiter der Frankfurter Museumskonzerte), gehört zu den wichtigsten seiner Laufbahn, ebenso die Zeit als Chefdirigent des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden zwischen 1986 und 1999, in der er große sinfonische Zyklen, u. a. mit Werken von Beethoven, Bruckner und Mahler erarbeitete. Darüber hinaus leitete Michael Gielen auch das BBC Symphony Orchestra und das Cincinnati Symphony Orchestra, in Berlin neben der Staatskapelle häufig auch das Konzerthausorchester.

Im Mittelpunkt seiner musikalischen Interessen standen die Werken der großen Komponisten des 18. und 19. Jahrhunderts (insbesondere Bach, Beethoven, Schubert, Bruckner und Mahler), vor allem aber die Musik der Wiener Schule mit ihren Protagonisten Schönberg, Berg und Webern, desgleichen aber auch deren Zeitgenossen Schreker und Zemlinsky und die Komponisten der Nachkriegszeit, u. a. Bernd Alois Zimmermann – dessen seinerzeit als unspielbar geltende Oper »Die Soldaten« er 1965 in Köln zur Aufführung brachte –, Karlheinz Stockhausen oder Luigi Nono.

Michael Gielen ging es immer um die Wahrheit der Musik, um die »utopischen« und »ersehnten Momente«, wie er es in seiner 2005 veröffentlichten Autobiographie »Unbedingt Musik« ausgedrückt hat. Die Musikwelt verliert mit ihm einen engagierten Streiter für diese, unsere Kunst, einen wachen, reflektierten Geist, der um ihre Gefährdungen wusste und sich immer neu für sie eingesetzt hat. Die Staatsoper Unter den Linden und die Staatskapelle Berlin, die Michael Gielen so viel verdanken, werden ihm ihr ehrendes Andenken bewahren.

Quelle: https://www.staatsoper-berlin.de

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Zum Tod des Komponisten und Dirigenten Michael Gielen kondoliert die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt Ina Hartwig seiner Familie und drückt ihre tief empfundene Anteilnahme aus: „Ein Jahrzehnt lang wirkte Michael Gielen als Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt und machte diese zu einem der bedeutendsten Opernhäuser Europas. Er holte nicht nur namhafte Regisseure in die Mainmetropole, unter seiner Leitung erlebten die Frankfurter Opernbesucher zudem ein herausragendes Musiktheater, das politische Themensetzungen nicht scheute. Michael Gielen war ein begnadeter Dirigent und Komponist, seine musikalischen Interpretationen zählten zur Avantgarde der Musikszene seiner Zeit. Die Stadt Frankfurt darf sich glücklich schätzen, diesen außergewöhnlichen Künstler in ihrer Mitte gehabt zu haben und wird dankbar an die Zeit seines Wirkens zurückdenken.“

Von 1977 bis 1987 war Gielen Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt und Leiter der Museumskonzerte in Frankfurt am Main. Er wurde 1986 mit dem Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt und 1999 mit dem Frankfurter Musikpreis ausgezeichnet. Frankfurt, Wien, Amsterdam, Brüssel, London – Gielen wirkte an den großen Opernhäusern weltweit. Sein Repertoire war weit gefasst, von Bach bis zur Moderne, sinfonische Literatur wie Oper gleichermaßen. Seine Schwerpunkte waren einerseits die großen Sinfoniker wie Ludwig van Beethoven, Anton Bruckner und Gustav Mahler, andererseits die Komponisten des 20. Jahrhunderts, hier vor allem die Vertreter der Neuen Wiener Schule.

Ende Oktober 2014 beendete Gielen aus gesundheitlichen Gründen seine Dirigentenkarriere. Er starb am 8. März 2019 im Alter von 91 Jahren, wie seine Familie bekannt gab.

Quelle: https://www.frankfurt.de