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08.04.2019 Präsident der HMTM München nimmt zu Ergebnissen der Gutachterkommission Stellung

 

Öffentliche Stellungnahme

von Prof. Dr. Bernd Redmann, des Präsidenten der Hochschule für Musik und Theater München (HMTM), zu den Ergebnissen der Gutachterkommission unter dem Vorsitz von Dr. h.c. Hildegund Holzheid, vorgestellt im Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst im Rahmen einer Pressekonferenz am 05.04.2019

Prof. Dr. Bernd Redmann:

„Ich freue mich sehr, dass heute die Ergebnisse der Kommission unter dem Vorsitz von Dr. Holzheid vorliegen und der Öffentlichkeit präsentiert werden. Vielen Dank an dieser Stelle an das Ministerium, dass Sie sich unserem Wunsch vom Mai 2018 nach einer externen, unabhängigen Überprüfung der bis dahin ergriffenen Maßnahmen und Strukturen unserer Hochschule angenommen haben.

Wir als Hochschule haben die Arbeit der Kommission in den letzten Monaten mit allen Kräften und in zahlreichen Gesprächen unterstützt und werden die Ergebnisse in den kommenden Wochen eingehend und sehr ernsthaft prüfen.

Die letzten drei Jahre waren für uns alles andere als leicht. Die Eröffnung des ersten Gerichtsverfahrens gegen den ehemaligen Präsidenten der Hochschule, Siegfried Mauser, im April 2016 war für die Öffentlichkeit, aber auch für uns als Institution ein Schock. Dieser Schock hat dazu geführt, dass wir Prozesse und Strukturen an unserer Hochschule auf den Prüfstand gestellt haben. Wir haben uns sehr ernsthaft gefragt und analysiert, wie es an unserem Haus zu solchen Übergriffen kommen konnte.

Als Ergebnis haben wir umfangreiche Maßnahmen zum Schutz aller Hochschulangehörigen gegen sexuelle Belästigung, Diskriminierung und Machtmissbrauch ergriffen. Dazu gehören u.a.:

  •           die Erlassung einer Richtlinie, die allen Hochschulangehörigen gegen Unterschrift zur Kenntnis gegeben wird,
  •           die Klärung und Stärkung der Beschwerdewege inkl. der Einrichtung einer externen Ombudsstelle,
  •           die Einführung eines Verfahrens für einen dringenden Lehrerwechsel,
  •           die Einführung von Orientierungsgesprächen zum Thema Körperkontakt sowie
  •           das Verbot von Unterricht in Privaträumen.

Eine interne Arbeitsgruppe entwickelt seit Juli 2018 ein Veranstaltungsangebot zur weiteren Sensibilisierung, Aufklärung und Fortbildung und fördert die offene und kontinuierliche Diskussion innerhalb unserer Hochschule. Erste Veranstaltungen haben im Wintersemester 2018/19 stattgefunden, weitere sind für das laufende Sommersemester geplant.

Es ist unser Anspruch, unter den Musikhochschulen in Deutschland eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Wir stehen nicht nur für exzellente Qualität unserer Ausbildungsarbeit, sondern befinden uns auch in einem sehr dynamischen Prozess in vielen Bereichen der Hochschulentwicklung. So haben wir z.B. im letzten Jahr ein flächendeckendes System der Lehrevaluation etabliert. Das Feedback der Studierenden spielt für uns eine zentrale Rolle.

Auch die kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Thema sexuelle Belästigung, Diskriminierung und Machtmissbrauch muss zu einem festen Bestandteil unseres Selbstverständnisses werden. Nur wenn wir es schaffen, Musikerinnen und Musiker, Tänzerinnen und Tänzer, Schauspielerinnen und Schauspieler bereits im Rahmen ihrer Ausbildung für dieses Thema zu sensibilisieren und sie zu ermutigen, Missstände zu benennen, nur dann werden wir den Musik- und Kulturbetrieb als Ganzes nachhaltig verändern.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: An unserer Hochschule ist kein Platz für sexuelle Belästigung. Übergriffiges Verhalten, sexualisierte Gewalt oder Machtmissbrauch tolerieren wir und toleriere ich persönlich in keiner Weise.

Bis wir unserem Anspruch einer Vorreiterrolle gerecht werden können, benötigen wir noch Zeit. Wir wissen, dass wir noch vieles verbessern können –wir arbeiten daran und werden diesen Weg entschlossen weiter verfolgen. Daher sind die heute vorliegenden Ergebnisse für uns so wertvoll.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass viele Details des vorliegenden Berichts ausgiebig geprüft und diskutiert werden müssen. Einige Anmerkungen möchte ich aber an dieser Stelle machen:

Bereits heute besteht ein Verfahren an unserer Hochschule, um in dringenden Fällen den Lehrer oder die Lehrerin wechseln zu können. Das Verfahren wurde im Mai 2018 von der Hochschulleitung verabschiedet und wird durch eine Beauftragte für Lehrerwechsel betreut. Ob wir dieses Verfahren noch verbessern können, werden wir überprüfen.

Der Einzelunterricht als vorherrschende Lehrform an Musikhochschulen zeichnet sich durch ein sehr persönliches Verhältnis aus, das die intensive Arbeit an der eigenen Ausdrucksfähigkeit und an der eigenen Künstlerpersönlichkeit im Optimalfall aufmerksam, zugewandt und kritisch begleitet und fördert. Hier sind von allen Lehrenden eine große Sensibilität und ein hohes Maß an Verantwortung gefragt. Ich möchte an dieser Stelle sagen: Unsere Lehrenden erfüllen diese Aufgabe auf hervorragende Weise, mit großem Engagement und sehr hohem Verantwortungsbewusstsein. Gleichzeitig ist in unserem Haus ein Kulturwandel im Gange: verschiedene Bereiche – z.B. die Gesangsklassen, die Dirigierausbildung oder der Schlagzeugbereich – arbeiten bereits heute mit verschiedenen Teamteaching-Modellen. Es zeigt sich aus meiner Sicht, dass das Unterrichten in Teams als Ergänzung zum Einzelunterricht viele Vorteile bietet. Diese Entwicklung werden wir weiter fördern.

Die Probleme an unserer Ballett-Akademie, die im vorliegenden Bericht aufgeführt werden, sind uns bekannt. Bereits seit Herbst 2017 befinden wir uns in einem intensiven Prozess, um das pädagogische Konzept der Akademie und die dortigen Strukturen zukunftsfähig zu machen. Im September/Oktober 2018 erreichten mich drei konkrete Beschwerden von zwei Alumni und einer Studienabbrecherin, denen ich nachgegangen bin. Daraufhin haben im November 2018 alle Lehrenden der Ballett-Akademie eine dienstliche Anweisung von mir erhalten, dass herabwürdigendes Verhalten, unangemessene Kommunikation oder Bestrafungen nicht geduldet werden und disziplinarrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Zudem ist ganz klar, dass der Unterricht ausschließlich auf Deutsch und Englisch stattzufinden hat und eine Favoritenbildung im Gruppenunterricht nicht zulässig ist. Wir sind mit dem Leitungsgremium der Ballett-Akademie in engem und regelmäßigem Austausch und werden weiterhin sehr genau hinsehen, wie sich der Unterricht dort entwickelt. Lassen Sie es mich noch einmal deutlich sagen: Unangemessenes Verhalten egal welcher Art tolerieren wir auch an der Ballett-Akademie in keiner Weise.

An diesem Punkt möchte ich hinzufügen: Weltweit befindet sich die Ballett-Ausbildung seit einigen Jahren im Umbruch – weg von einem komplett auf Härte und Disziplin ausgelegten System, hin zu einer Ausbildung, die die physische und psychische Gesundheit der Tänzerinnen und Tänzer mit in den Blick nimmt. Wir sind uns der besonderen Verantwortung für unsere jungen, oft noch nicht volljährigen Tanz-Studierenden sehr bewusst und versuchen insbesondere die psychologische und tanzmedizinische Betreuung auszubauen. Um die Ballett- und Tanzausbildung an internationale Standards anzupassen, benötigen wir jedoch dringend zusätzliche Ressourcen. Die Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München ist die einzige staatliche Ausbildungsstätte für Tänzerinnen und Tänzer in Bayern. Hier trainieren ca. 40 Bachelor-Studierende und rund 60 Studierende im Jungstudium. Gerade für sie brauchen wir zusätzliche Mittel für eine bessere personelle Ausstattung, insbesondere in den Bereichen Tanzmedizin, Physiotherapie sowie psychologische und sozialpädagogische Betreuung. Außerdem brauchen wir ein Internat, das unseren Studierenden ermöglicht, das Training gut mit dem Schulbesuch zu vereinbaren. Auch vor diesem Hintergrund begrüße ich die Ergebnisse des vorliegenden Berichts außerordentlich.

Die Anregung, dass die Frauenbeauftragten unserer Hochschule ebenfalls eine personelle Unterstützung benötigen, kann ich nur unterstreichen. Die drei Frauenbeauftragten erfüllen ihre Aufgaben neben ihrer Lehrtätigkeit. Allein die Gremien- und Kommissionsarbeit stellt eine große zeitliche Belastung dar. Weitere wichtige Aufgabenfelder – wie die Weiterentwicklung von Beratungs- und Beschwerdemöglichkeiten, die Anregung von Veranstaltungen oder die Entwicklung neuer Konzepte zur Frauenförderung – sind für unsere Frauenbeauftragten unter den derzeitigen Bedingungen kaum zu bewältigen. Auch hier brauchen wir eine nachhaltige Mittelausstattung.

Lassen Sie mich zusammenfassen: Die letzten drei Jahre waren für uns nicht leicht. Wir setzen jedoch alles daran, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. Die Prävention und der Schutz aller Hochschulangehörigen gegen sexuelle Belästigung, Diskriminierung, Gewalt oder Machtmissbrauch haben für uns höchste Priorität. Ich bin froh, dass jetzt eine offene Diskussion stattfindet und sich – auch angestoßen von der #MeToo-Bewegung – sehr vieles im Kulturbereich verändert. An dieser Entwicklung werden wir gemeinsam mit den anderen Musikhochschulen in Deutschland weiterhin intensiv arbeiten. 

Abschließend möchte ich mich ausdrücklich bei allen Mitgliedern der Kommission bedanken. Danke für die Zeit und Energie, die Sie in diese für uns so zentralen Fragen investiert haben. Wir werden Ihre Empfehlungen intensiv und ernsthaft diskutieren und weiterverfolgen.“

(HMTM, 5.4.2019)

Quelle: http://www.hmtm.de