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19.10.2020 Medizinisch-musikalisches Symposium schafft interdisziplinären Blickwinkel auf Beethovens Hörstörung

 

Das Phänomen Beethoven ist facettenreich – und wirft viele Fragen auf. Was war die Ursache für Ludwig van Beethovens Schwerhörigkeit? Wie würde die heutige Medizin mit seiner Erkrankung umgehen? In welcher Beziehung stehen die zunehmende Ertaubung des großen Komponisten und sein musikalischer Schaffensprozess? Welche Wirkung hatte der Komponist auf seine Zeit und darüber hinaus? Diesen und weiteren Fragestellungen gingen zahlreiche Wissenschaftler, Ärzte und Spezialisten am 16. und 17. Oktober 2020 im Rahmen des Symposiums „Ludwig van Beethoven: der Gehörte und der Gehörlose“ auf dem Gelände des Universitätsklinikums Bonn (UKB) auf den Grund. Die Veranstaltung ist Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten BTHVN2020 zu Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag. Die Vorträge erschienen bereits zum Symposium als Print- und E- Book Version in deutscher und englischer Sprache und können kostenfrei heruntergeladen werden.

Interdisziplinäres Bild, neue Blickwinkel und Heilungsmöglichkeiten Die Ergebnisse zeichnen ein komplexes, interdisziplinäres Bild von damals bis heute – ein Kaleidoskop wissenschaftlicher, medizinischer und psychosozialer Dimensionen rund um die Person Ludwig van Beethoven, sein Schaffen und seine Wirkung. So wurden musikermedizinische Perspektiven auf Beethoven in ihrer historischen Dimension untersucht und eingeordnet, die politische und kosmopolitische Wirkung Beethovens und seiner Werke näher betrachtet und Aspekte seiner Vokalkompositionen mit Rückbezug auf seine Krankheitsgeschichte analysiert. Ein besonderer Schwerpunkt lag zudem auf den Ursachen und Auswirkungen seiner Hörstörung und heutigen Behandlungsmöglichkeiten – mit besonderen Ergebnissen:

Die Ursache für Beethovens bereits früh einsetzende und mit dem Alter zunehmende Hörstörung lässt sich auf Basis der überlieferten Sachlage eingrenzen und ist heute zudem behandelbar. So sehen Wissenschaftler derzeit eine Otosklerose (Erkrankung des das Innenohr umschließenden Knochens) oder eine Innenohrschwerhörigkeit (Degeneration von Sinneszellen im Innenohr) als mögliche Ursachen – beides Erkrankungen, die heutzutage mit konventionellen und operativen Maßnahmen therapierbar sind. Selbst bei einem schwerwiegenden Befund hätten hochkomplexe Hörimplantate wie das Cochlea-Implantat Ludwig van Beethoven helfen können.

E-Book „Ludwig van Beethoven: der Gehörte und der Gehörlose“

Stimmen zum Symposium

Malte Boecker, künstlerischer Geschäftsführer der Beethoven Jubiläums GmbH, Veranstalter des Symposiums: „Beethoven war aufgrund seines Hörleidens ein Vorläufer des Social Distancing. Er fühlte sich zunehmend isoliert und verwandelte seinen gesellschaftlichen Rückzug in eine bis heute gültige Musik. Damit ist er ein Vorbild bis heute. Dass sein Geburtstag ausgerechnet auf das Jahr 2020 fällt, kann also kein Zufall sein. Mit ihm feiern wir, dass Musik Resilienz und Freude selbst unter widrigsten Umständen verleiht. Ich bin sehr glücklich, dass wir Beethoven und den Sinn des Hörens bei diesem Symposium intensiv thematisieren.“

Prof. Dr. med. h. c. mult. Wolfang, Holzgreve MBA, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender am Universitätsklinikum Bonn (UKB), Kooperationspartner und Hausherr des Symposiums: „Wir wollen das Phänomen Beethoven begreifen. In unserem Symposium haben wir deshalb aus musikermedizinischer Perspektive beide Aspekte – die Musik und die Erkrankungen Beethovens – als Ausgangspunkte für eine historische und auch wirkungsgeschichtliche Betrachtung seines Lebens und künstlerischen Schaffens herangezogen.“

Prof. Dr. med. Dr. phil. Claudia Spahn, Leiterin des Freiburger Instituts für Musikermedizin und Prorektorin für Forschung an der Hochschule für Musik Freiburg, Kooperationspartnerin und wissenschaftliche Leitung des Symposiums: „Die gewonnenen Perspektiven auf Ludwig van Beethoven, darunter auch die Erkenntnis, wie er unter seiner Hörstörung und anderen Beschwerden gelitten hat und trotzdem die Kraft hatte, großartige Werke zu spielen und zu komponieren, schärfen den Blick für die wichtigen psychosozialen Einflüsse von Kreativität. Gerade in der heutigen Krise kann uns Beethoven, der für und aus der Musik lebte, ein Vorbild sein.“

Prof. Dr. med. Bernhard Richter, Leiter des Freiburger Instituts für Musikermedizin, Kooperationspartner und wissenschaftliche Leitung des Symposiums: „Ludwig van Beethoven äußerte in seinem berühmten Heiligenstädter Testament den Wunsch, dass seine Krankheiten sowie die Eindrücke seiner Gedankenwelt, die er in diesem Dokument preisgibt, nach seinem Ableben möglichst umfassend beschrieben werden, um ‚so viel als möglich‘ die Welt nach seinem Tod mit ihm ‚zu versöhnen‘. Wir haben versucht diesem Wunsch mit unserer interdisziplinären Betrachtungsweise in besonderem Maße Rechnung zu tragen.“

Über die Beethoven Jubiläums GmbH: Das Beethoven-Jubiläum ehrt Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag. Die als Tochtergesellschaft der Stiftung Beethoven-Haus gegründete gemeinnützige Beethoven Jubiläums GmbH koordiniert mit Unterstützung der Bundesregierung, des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises ein deutschlandweites Programm, das unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten der Bundesrepublik steht. Das vielfältige Programm ist zusammengefasst unter der Dachmarke „BTHVN2020“ und steht unter dem Motto „Beethoven neu entdecken.“ Die Feierlichkeiten dauern bis einschließlich September 2021. Die Terminübersicht des Jubiläums ist jeweils aktuell im Veranstaltungskalender auf www.bthvn2020.de zu finden.

Über das Universitätsklinikum Bonn (UKB): Das Universitätsklinikum Bonn (UKB) hat rund 36 Kliniken und 29 Institute und ist mit über 8.000 Mitarbeitern der drittgrößte Arbeitgeber in Bonn. Jährlich werden am UKB rund 50.000 Patienten stationär und rund 35.000 Notfälle versorgt sowie ca. 400.000 ambulante Behandlungen durchgeführt. Die medizinische Fakultät der Universität Bonn steht in der wissenschaftlichen Leistung auf Platz 1 in NRW (Auswertung des Landes). Das UKB hat den zweithöchsten Case-Mix-Index (Schweregrad der behandelten Fälle) unter den 35 Universitätskliniken in Deutschland. Die national und international anerkannte Expertise der Instituts- und Klinikleitungen, die in den vergangenen Jahren durch eine hervorragende Zusammenarbeit mit der Universität und erfolgreiche Neuberufungen ausgebaut werden konnte, ist Grundlage der Leistungsfähigkeit des UKB.

Über das Freiburger Institut für Musikermedizin (FIM): Das Freiburger Institut ist eine gemeinsame Einrichtung der Hochschule für Musik, der Albert-Ludwigs-Universität und dem Universitätsklinikum Freiburg. Das FIM verbindet Musik und Medizin und unterstützt sowohl ein gesundes Musizieren als auch die gesundheitsfördernde Wirkung des Musizierens. Es gehört zum Konzept des FIM, dass die Professoren über eine professionelle musikalische Ausbildung verfügen und künstlerisch aktiv sind. Die Aufgaben des Instituts erstrecken sich auf die Bereiche Lehre, Forschung und Patientenbehandlung. Die Forschung erstreckt sich u.a. auf physiologische und psychologische Grundlagen des Singens, Sprechens und Musizierens. In der Patientenbehandlung ist das FIM am Universitätsklinikum Freiburg Anlaufstelle für alle Musikerinnen und Musiker.

Quelle: https://www.bthvn2020.de

 
 

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