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28.10.2020 Chemnitz soll 2025 Kulturhauptstadt Europas werden

 

Im Wettbewerbsverfahren um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“ in Deutschland hat sich Chemnitz durchgesetzt. Das hat die Vorsitzende der mit der Entscheidung beauftragten unabhängigen europäischen Jury, Sylvia Amann, bekanntgegeben. Die Ernennung zur Kulturhauptstadt aufgrund der Jury-Empfehlung erfolgt nun bis Jahresende durch die Kulturministerkonferenz im Benehmen mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Monika Grütters. Verantwortlich für die praktische Durchführung des nationalen Auswahlverfahrens ist die Kulturstiftung der Länder im Auftrag der Kultusministerkonferenz.

Bis zuletzt hatten sich die in der ersten Vorauswahlrunde erfolgreichen Städte Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg Hoffnung auf den Titel gemacht. Mit dem Einreichen des ersten Bewerbungsbuchs waren im Oktober 2019 acht deutsche Städte ins Rennen um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“ in Deutschland gegangen. Neben den genannten Städten hatten sich auch Dresden, Gera und Zittau beworben.

Erfüllt nun Chemnitz ihre in der Bewerbung eingegangen Verpflichtungen, wird ihr am Ende der Monitoring-Phase (bis Frühjahr 2025) der mit 1,5 Millionen Euro dotierte Melina-Mercouri-Preis verliehen. Neben Deutschland ist auch Slowenien berechtigt, für das Jahr 2025 eine Europäische Kulturhauptstadt zu stellen.

Grundlage für die Jury-Entscheidung waren die eingereichten 100-seitigen Bewerbungsbücher, die digitalen Stadtbesuche und die ebenfalls digital durchgeführte finalen Präsentationen der Bewerberstädte. Aufgrund der Corona-Pandemie war im August 2020 das gesamte Auswahlverfahren auf digitale Formate umgestellt worden.

Sylvia Amann, Vorsitzende der europäischen Jury: „Kultur und Kreativität in die Mitte rücken – dafür haben sich alle Bewerberstädte eingesetzt. Dieses Engagement gewinnt im aktuellen Kontext an Bedeutung auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Überleben des Kultursektors. Mit dem Bewerb Europäische Kulturhauptstadt kommt die europäische Dimension in Form von Solidarität und Kooperation hinzu. Ich bitte alle Städte diesen Weg fortzusetzen!“

Barbara Ludwig, Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz: „Der vorletzte Arbeitstag als Oberbürgermeisterin dieser wunderbaren Stadt ist eindeutig der beste meiner 14-jährigen Amtszeit. Dieser Titel ist für Chemnitz die große Chance, viel zu geben und viel zu bekommen, viel vom Ungesehenen zu zeigen. Nicht nur die Bilder von Nazi-Aufmärschen im August 2018, sondern auch die Bilder von zivilgesellschaftlichem Engagement für gelebte europäische Werte, eine kreative und vielfältige Stadtgesellschaft im internationalen Austausch. Es wird der Stadt einen Schub geben, Ressourcen hier bündeln, die über Generationen wirken können.“ 

Bernd Sibler, Vorsitzender der Kulturministerkonferenz und Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst: „Ich gratuliere Chemnitz ganz herzlich zum Titel ‚Kulturhauptstadt Europas 2025‘. Mit dem Wettbewerb um den Titel ‚Kulturhauptstadt Europas‘ machen wir Kultur zum Impulsgeber für eine langfristige Stadtentwicklung und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Allein der Bewerbungsprozess hat in den Städten bereits eine ungeheure Kreativität mobilisiert und neue Brücken innerhalb Europas geschlagen. Alle Bewerberinnen werden von den angestoßenen Reflexionsprozessen und Zukunftsdialogen profitieren. Der Wettbewerb hat langfristig nicht nur einen, sondern viele Gewinner.“

Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder: „Ich gratuliere ganz herzlich der designierten Gewinnerstadt Chemnitz, aber auch allen anderen Bewerberstädten. Sie alle haben zwei Jahre lang hart und unter erschwerten Bedingungen mit Innovationsfreude und Leidenschaft Großartiges geleistet für Ihre Stadt, für eine lebendige und vielfältige Kulturlandschaft. Sie alle haben gezeigt, welche integrative, verbindende und gemeinschaftsstiftende Kraft Kultur hat. Dafür bin ich Ihnen allen sehr dankbar. Machen Sie alle bitte weiter auf diesem Weg! Ich bin voller Vorfreude auf das deutsche Kulturhauptstadt-Jahr 2025.“

Jörg Wojahn, Vertreter der Europäischen Kommission in Deutschland, sagte: „Das Schöne an den Kulturhauptstädten ist ja, dass dabei auch international weniger bekannte Städte in den Mittelpunkt gerückt werden. So können wir alle jedes Jahr oft ungeahnte Kulturschätze entdecken. Den Städten bringt die Auszeichnung langfristige wirtschaftliche Vorteile. Bewohnerinnen und Bewohnern profitieren von einem größeren Kulturangebot und besseren Infrastrukturen. Eine Initiative, bei der alle Beteiligten gewinnen.“

Zum Hintergrund

Die Europäische Jury setzt sich folgendermaßen zusammen: Je drei Mitglieder werden durch Europäische Kommission, EU-Rat und Europäisches Parlament benannt. Jeweils ein Mitglied wird durch den EU-Ausschuss der Regionen, durch die Kultusministerkonferenz und von Bundesseite (die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und das Auswärtige Amt) berufen. Die Namen der zwölf Jurorinnen und Juroren können unter https://www.kulturstiftung.de/wettbewerb-findet-digital-statt-2/ eingesehen werden.

Die europäische Jury hat die Bewerbungen der fünf deutschen Städte maßgeblich anhand folgender sechs Kriterien bewertet:

Entscheidend war (1.) der Beitrag der Bewerbung zu einer langfristigen Kulturentwicklungsplanung der Stadt („Beitrag zur Langzeitstrategie“), (2.) die „Europäische Dimension“ des geplanten Kulturhauptstadt-Programms, (3.) die Stimmigkeit des Gesamtprogramms und die künstlerische Qualität („Kulturelle und Künstlerische Inhalte“), (4.) die „Umsetzungsfähigkeit“ eines ganzjährigen Kulturfestivals der Bewerberstadt, (5.) die „Erreichung und Einbindung der Gesellschaft“ sowie (6.) der Nachweis geeigneter Strukturen zur Steuerung- und Durchführung durch die „Verwaltung“.

Der nationale Wettbewerb hat am 24. September 2018 mit der Veröffentlichung der Ausschreibungsunterlagen offiziell begonnen. Die acht deutschen Bewerberstädte haben ihre Bewerbungen bis zum 30. September 2019 bei der Kulturstiftung der Länder eingereicht. Die Kulturstiftung der Länder ist von der Kultusministerkonferenz beauftragt, das nationale Auswahlverfahren für die „Kulturhauptstadt Europas 2025“ durchzuführen. Während der Vorbereitungsphase hat die Kulturstiftung der Länder die Bewerberstädte mit drei Qualifizierungsworkshops inhaltlich auf den Wettbewerb vorbereitet.

Mit dem seit 1985 existierenden und kontinuierlich weiterentwickelten Programm will die Europäische Union das Zugehörigkeitsgefühl zu einem gemeinsamen europäischen Kulturraum fördern, die kulturellen Gemeinsamkeiten hervorheben und nachhaltige kulturelle Entwicklungen in den jeweiligen Städten anregen.

Hintergrundinformationen

Quelle: https://www.kmk.org

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Chemnitz soll Kulturhauptstadt Europas 2025 werden

Chemnitz wurde heute (28.10.2020) zur Kulturhauptstadt Europas 2025 gekürt. Die europäische Expertenjury zur Ermittlung der Kulturhauptstadt gab auf ihrer Pressekonferenz in Berlin eine entsprechende Empfehlung ab.

Ministerpräsident Michael Kretschmer betonte: »Ich freue mich riesig für diese wunderbare Stadt und die hier lebenden Menschen. Ich bin mir sicher: Die Macher-Mentalität der Chemnitzer war mitentscheidend dafür, dass es am Ende geklappt hat. Mein Dank gilt allen, die dafür mit viel Herz und bewundernswertem Engagement gearbeitet haben. Die Entscheidung der europäischen Auswahljury ist eine unglaubliche Chance für Chemnitz, in Europa und in der Welt nun noch deutlich sichtbarer zu werden. Als ein spannender Ort mit einer einzigartigen Kulturlandschaft, mit kühnen Ideen und engagierten, mutigen und kreativen Bürgerinnen und Bürgern. Es gibt überall in Europa Städte, in denen das wirtschaftliche Herz schlägt, die aber dennoch im Schatten anderer Metropolen stehen. Und die es wie Chemnitz verdienen, dass sie von noch mehr Menschen gesehen werden. Chemnitz2025 hat das Potential, ein starker Impulsgeber für viele weitere Orte in Europa zu sein. Denn Chemnitz steht auch dafür, wie wichtig es ist, die Gefahr von Spaltungen zu überwinden und aktiv für unsere europäischen Werte und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einzutreten.«

Kulturministerin Barbara Klepsch zur Entscheidung für Chemnitz: »Ich bin überglücklich über die Entscheidung der europäischen Jury. Damit rückt eine starke Stadt mitten in Europa noch weiter in das Herz des Kontinents. Die Empfehlung ist eine Auszeichnung für die Kulturarbeit vor Ort und eröffnet neue Möglichkeiten für das kulturelle Leben. Hier ist es mir wichtig, dass wir auch die Umgebung von Chemnitz mitdenken. Als Schauplatz der Begegnung wird die Region zu einem zentralen Besuchermagneten im Freistaat Sachsen. Ich lade alle Kulturinteressierten aus Europa und darüber hinaus 2025 nach Chemnitz ein, um zu erleben, welche Reichtümer die Stadt zu bieten hat«, so die Ministerin bei der Pressekonferenz der Bewerberstadt Chemnitz, auf der die Entscheidung der europäischen Jury übertragen wurde

Nach der freudigen Botschaft sollen nun die nächsten Schritte für die weitere Planung eingeleitet werden: »Die Kulturhauptstadt soll kein einmaliges Event sein, sondern über 2025 hinaus in vielen Bereichen zur Stadtentwicklung beitragen. Nun gilt es, weitere Grundvoraussetzungen zu schaffen, damit das Kulturhauptstadtjahr zu einem vollen Erfolg wird. Auf finanzieller Ebene haben wir hier schon Vorsorge getragen, jetzt klären wir organisatorische Fragen«, betonte Kulturministerin Klepsch.

Die Sächsische Staatsregierung hat im Mai 2019 per Beschluss bekräftigt, dass die Stadt Chemnitz bei einer erfolgreichen Bewerbung mit einer finanziellen Beteiligung von bis zu 20 Millionen Euro rechnen kann. Das Kulturhauptstadtjahr umfasst ebenfalls Aspekte wie Stadtentwicklung, Mobilität, europäisches Wertebewusstsein, Interkulturalität und Nachhaltigkeit, sodass die Umsetzung ein Anliegen der gesamten Staatsregierung ist.

Die Empfehlung der europäischen Jury gilt vorbehaltlich der Bestätigung durch die Kulturministerkonferenz und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien spätestens bis zum Jahresende. Darüber hinaus wird Slowenien die zweite Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2025 stellen. Die Entscheidung für Slowenien wird im Dezember getroffen.

Über die Bewerbung von Chemnitz als Kulturhauptstadt Europas 2025:

Chemnitz war in der zweiten Bewerbungsphase für die Kulturhauptstadt Europas 2025 die einzig verbliebene Stadt aus Sachsen und stand im Finale mit den deutschen Bewerberstädten Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg. Nach fristgerechter Einreichung des finalen Bewerbungsbuchs am 21.09.2020 bei der Kulturstiftung der Länder in Berlin fand wegen der COVID19-Pandemie ausschließlich ein digitaler City Visit der Stadt Chemnitz durch die europäische Jury statt. Die Mitglieder der Jury hatten am 22.10.2020 Gelegenheit, der virtuellen Präsentation an ihren dezentralen Orten online zuzuschauen und mit den Bewerberstädten in Kontakt zu treten. An der digitalen Präsentation vor Ort in Chemnitz wirkten auch Ministerpräsident Kretschmer sowie Staatsministerin Klepsch mit.

Für die Bewerbung als Kulturhauptstadt 2025 hat Chemnitz das Motto »C the Unseen« gewählt. Das Sprachspiel geht einerseits auf die Selbstwahrnehmung als »ungesehene« Stadt ein. Gleichzeitig ruft das Motto dazu auf, Chemnitz genauer zu betrachten, das vom Krieg, der sozialistischen Stadtplanung sowie den Transformationsprozessen nach 1989/90 geprägt ist. In Hinblick auf ihre jüngere Geschichte mit ihren Brüchen möchte Chemnitz als Kulturhauptstadt Europas Gemeinschaft stiften und die Stadt zum Brutkasten eines kreativen, friedvollen Europa machen. Europäische Werte sollen gestärkt werden durch den Verweis auf die Transformation als osteuropäische Erfahrung, die damit verbundene Verlusterfahrung, Krisen der Gegenwart wie den Klimawandel, den demografischen Wandel und die sozialen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie. Im Fokus steht dabei die schweigende Mitte – »the silent middle« im Sinne einer Überwindung der gesellschaftlichen Spaltung in analog und digital. Angestrebt wird unter anderem die Förderung einer »Macher-Mentalität« und der Aufbau entsprechender Freiräume, in denen Menschen zusammen lernen und experimentieren im Interesse der Vermittlung europäischer Werte.

Quelle: https://www.smwk.sachsen.de

 
 

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