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08.04.2009 50. Weimarer Meisterkurse: Die musikalische Ost-West-Drehscheibe feiert Geburtstag

 

Sie titulierten nicht immer als „Weimarer Meisterkurse“: Ins Leben gerufen wurden sie 1960 als „Ferienkurs“, ein Jahr später hießen sie schon „Internationales Musikseminar der DDR“ (IMS). Das IMS wurde ein beliebtes Fenster des Ostens zum Westen mit teilweise mehr als 500 Kursteilnehmern. Erst nach der Wende erfolgte 1997 die Umbenennung in „Weimarer Meisterkurse“, die vom 12. bis 25. Juli 2009 nun zum insgesamt 50. Mal stattfinden. Die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar als Ausrichter konnte dazu namhafte Künstler und Musikpädagogen nach Weimar verpflichten, die junge Musikerinnen und Musiker aus mehr als 20 verschiedenen Ländern in der Kunst der Interpretation unterrichten werden. Anmeldungen für die Meisterkurse sind noch bis zum 31. Mai 2009 möglich.

Zu den renommierten Gastprofessoren zählen in diesem Sommer Jorma Panula (Dirigieren), legendärer Dirigenten-Ausbilder aus Finnland, zu dessen Schülern Jukka-Pekka Saraste und Esa-Pekka Salonen zählen. Erstmals zu Gast in Weimar ist auch der begehrte Klavierpartner berühmter Sängerinnen und Sänger wie Jessye Norman und Dietrich Fischer-Dieskau, der amerikanische Pianist Irwin Gage (Liedinterpretation). Ebenfalls aus den USA stammt die prominente Bratscherin Kim Kashkashian (Viola), die das relativ kleine Viola-Repertoire durch Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten erheblich erweitert hat.

Willkommen heißen die Weimarer Meisterkurse auch die Ikone der russischen Klavierschule, Vera Gornostaeva (Klavier), die bereits 1972 bis 1974 beim IMS gelehrt hatte. Die weiteren Klavierpädagogen der Kurse sind Paul Badura-Skoda und Ferenc Rados. Das Fach Violine wird in diesem Sommer von Igor Ozim, Thomas Brandis und Nora Chastain unterrichtet. Für den Violoncello-Meisterkurs konnte erneut Michael Sanderling gewonnen werden.

Die Holzbläser stehen unter den Fittichen von Paul Meisen (Querflöte), Charles Neidich (Klarinette) und Alexei Ogrintchouk (Oboe). Unter den Kursteilnehmern sehr begehrt und in dieser Form wohl einmalig, wird auch das Orchesterstudio mit der Jenaer Philharmonie wieder angeboten: Seit 45 Jahren hält der Klangkörper den Meisterkursen die Treue, in diesem Jahr unter der Leitung von Gunter Kahlert.

Die Ergebnisse der Kursarbeit werden allabendlich in Gastprofessoren- und Teilnehmerkonzerten präsentiert. Zusätzlich lockt der Workshop Komposition mit der Vergabe des Franz Liszt-Stipendiums nach Weimar: Eine Jury unter Vorsitz von Prof. Robin Minard kürt den Franz Liszt-Stipendiaten aus acht Teilnehmern im Rahmen einer intensiven, zweitägigen Klausur.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) nimmt zum fünften Mal in Folge die Weimarer Meisterkurse als einziges Musikangebot in sein Förderprogramm „German Summer Academies“ auf. Neben einer weltweiten Vermarktung durch den DAAD wird dadurch auch die Vergabe von 15 Stipendien an hochbegabte Studierende aus dem Ausland ermöglicht.

Die Weimarer Meisterkurse blicken auf eine bewegte Geschichte zurück: Unter der Bezeichnung „Ferienkurs“ fanden 1960 erstmals sechs Kurse statt, noch – wie 1961 auch – ausschließlich für DDR-Teilnehmer. Da hieß es (wohl aufgrund der Internationalität der Gastprofessoren-Gruppe) aber schon Internationales Musikseminar der DDR (IMS). Ab 1962 kam dann die Internationalität in Gestalt von Studierenden aus vielen anderen Ländern vor allem des sozialistischen Lagers hinzu. Die meisten Gastprofessoren stammten lange Jahre aus dem Osten. Frühe Ausnahmen waren Hélène Boschi aus Frankreich, Guido Agosti aus Italien, August Leopolder und Gerhard Puchelt aus der Bundesrepublik, Hermann Scherchen aus der Schweiz, Jolanda di Maria Petris aus Finnland.

Erst ab den frühen 1980er Jahren gab es eine etwa hälftige Kursprofessoren-Zusammensetzung Ost-West, ab Mitte dieses Jahrzehnts eine klare Dominanz der „Westprofessoren“. Das IMS war Fenster des Ostens zum Westen geworden und wurde auch so genutzt. Das offene Gespräch konterkarierte im Innenraum zunehmend die staatspolitische Propagandaabsicht des Prestige-Projektes. Mit der DDR verschwand im Herbst 1990 zwar das „IMS der DDR“, nicht aber das IMS. Die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, an der es bislang nur veranstaltet wurde, übernahm es in eigene Verantwortung. 1997 erfolgte dann die Umbenennung des Internationalen Musikseminars in „Weimarer Meisterkurse“.

Quelle: http://www.hfm-weimar.de/meisterkurse.

 
 

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