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Hitler. Macht. Oper

Tagung des Forschungsprojekts "Inszenierung von Macht und Unterhaltung: Propaganda und Musiktheater in Nürnberg 1920-1950"


Beschreibung:
Im Zentrum des Forschungsprojektes steht die Frage nach Inszenierungsstrategien von Propaganda auf der Theaterbühne und im städtischen Raum am Beispiel Nürnbergs, mit besonderem Blick auf die Synergien zwischen der Spielstätte und der Stadt als Ort politischer Selbstinszenierung. Die Themenfelder der Konferenz sollen die Komplexität der Verflechtungen von Ästhetik, Ideologie und politischer Machtausübung im Spannungsfeld von Musiktheater und Propaganda aus verschiedenen Perspektiven interdisziplinär beleuchten. 2018 sollen die Ergebnisse der Projektarbeit in einer Ausstellung umgesetzt werden; spezifische methodische Fragen zum expositorischen Umgang mit dem spannungsreichen Themenfeld Musiktheater und Nationalsozialismus sollen daher im Rahmen der Konferenz diskutiert werden.

Ästhetik der Ideologie / Ideologie der Ästhetik am Beispiel Nürnberg
Teil der nationalsozialistischen Propaganda war die Besetzung positiver Lebensbereiche einerseits (wie beispielsweise Sport), die Aufwertung kritischer Lebensbereiche (wie beispielsweise Arbeit), auch durch Ästhetisierung, andererseits. Dem gegenüber steht die Etablierung einer heterogenen und eklektizistischen Ästhetik, die den Bereichen des Lebens ein unverkennbares Erscheinungsbild – und mit ihm ein Idealbild als Bewertungsgrundlage – verlieh. Die aufgrund ihres spezifischen Stadtbildes als „deutscheste der deutschen Städte“ propagierte Stadt Nürnberg bietet durch die räumliche Nähe von idealtypischer Altstadt und monumentaler Architektur des Reichsparteitagsgeländes ein herausragendes Beispiel für ideologische Aufladung einer bestehenden ästhetischen Situation wie auch für die Setzung neuer ästhetischer Prämissen. Die Frage nach dem Verhältnis von Ideologie und Ästhetik soll hier diskutiert werden.

Propaganda im Theaterraum
Das Theater und seine Bühnen sind der ureigene Ort von Inszenierungen, die die Grenze zu Realität immer wieder neu verhandeln. Das Wirkungspotenzial des Theaters als Raum der Fiktion und Reflektion wurde auch von den Nationalsozialisten erkannt und exploriert. Die Oper in Nürnberg, die Hitler schätzte und förderte, ist ein herausragendes Beispiel, wo der Theaterraum im Nationalsozialismus als gesellschaftlicher Ort und als Raum ästhetischer Rezeption erfahren werden soll und der Propaganda dient. Der Theaterraum soll hierbei sowohl als architektonischer Raum wie auch als ästhetischer und performativer Raum verstanden werden. Propaganda im städtischen Raum Die Stadt soll als „Bühne“ für propagandistische Inszenierung insbesondere im Alltag gesehen werden. Anders als im Theater, wo der Bühnenraum die Realität von der Fiktion auch räumlich trennt, wird im städtischen Raum die Perspektive umgekehrt: in die alltägliche Realität der Menschen werden ideologische und propagandistische Inhalte „in Szene gesetzt“, von der Inszenierung eines bestimmten Stadtbildes bis hin zur Etablierung von ideologisch aufgeladenen Handlungsmustern im Alltag. Nürnberg kommt hier eine besondere Bedeutung zu: Die Kategorisierung als „Stadt der Reichsparteitage“ und „Stadt der Meistersinger“ nominierte sie gleichfalls zum Aufführungsort theatraler und politischer Ereignisse. Die Musik spielte bei diesen Inszenierungen eine hervorgehobene Rolle.

Propaganda ausstellen: neue museologische Konzepte zum Themenfeld politische Propaganda
Ausgehend von der Prämisse des kommentierten Zeigens als Kernintention einer Ausstellung wird das Themenfeld „politische Propaganda“ zu einer besonderen Herausforderung. Der Inszenierung als Instrument der Propaganda steht die Dokumentation als Methode der Ausstellung diametral gegenüber. Die Nähe von Propaganda und theatraler Inszenierung ist offenkundig und wird in Nürnberg – insbesondere im Hinblick auf die doppelte Rolle der Stadt als Bühne und auf der Bühne – besonders evident. Transportiert man die Methoden der Propaganda in die Sphäre des Theaters, entwickelt sich ein dichtes Geflecht von inszenierter Realität und wahrhaftiger Fiktion. Wie stellt man mit kritischer Distanz ein Phänomen aus, das auf der Wahrnehmung und Wirkung von Inszenierung beruht, ohne es gleichzeitig seiner Wirksamkeit zu berauben? Im Zentrum stehen neue Ansätze der Evidenzerzeugung im Rahmen wissenschaftlich betreuter Ausstellungen, insbesondere im Grenzbereich von musealer Ausstellung und künstlerischer Installation.

Kursleiter:
Prof. Dr. Anno Mungen, Forschungsinstitut für Musiktheater (fimt) der Universität Bayreuth

 

Termin:
02.06.2017 - 04.06.2017

Veranstaltungsort:
Staatstheater Nürnberg
Richard-Wagner Platz 2-10, 90443 Nürnberg

Veranstalter:
Staatstheater Nürnberg

Partner:
Forschungsinstitut für Musiktheater (fimt) der Universität Bayreuth

Kosten:
Keine Angabe

Anmeldung:
Prof. Dr. Anno Mungen

fimt.thurnau@uni-bayreuth.de

Anmeldeschluss: Keine Angabe

Webseite:

www.fimt.uni-bayreuth.de/de/download/CfP_H
itler_Macht_Oper2017.pdf