Im Fokus: Konzerthäuser in Deutschland

Elbphilharmonie, © Michael Zapf Die Elbphilharmonie ist ein neues Wahrzeichen der Freien und Hansestadt Hamburg.Mit der Elbphilharmonie hat Hamburg nicht nur ein weiteres architektonisches Wahrzeichen hinzugewonnen. Als Konzerthaus markiert der von den Architekten Herzog & De Meuron geschaffene Bau einen Meilenstein für die Musikstadt im Norden, er verankert die Kultur, wörtlich gesprochen, in der Mitte der Gesellschaft. Anlässlich der Einweihung der Elbphilharmonie veröffentlicht das MIZ ein neues Schwerpunktangebot, das Hintergrundinformationen zu Strukturen und Entwicklungen der Konzerthauslandschaft in Deutschland bereitstellt. Im Zentrum steht ein Fachbeitrag von Benedikt Stampa, Vorsitzender der Deutschen Konzerthauskonferenz, der grundlegende Informationen zu diesem vielfältigen und facettenreichen Themenfeld vermittelt.

Einzigartige Konzerthauslandschaft

Konzerthaus Dortmund, © Daniel Sumesgutner Der Saal des 2002 eröffneten Konzerthauses Dortmund besticht durch schlichte, klare Form. Ob in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Köln, Dortmund oder Stuttgart: Als Zentren der klassischen Musik haben Konzerthäuser eine hohe Ausstrahlungskraft und gehören unbestritten zu den großen nationalen wie internationalen Anziehungspunkten des kulturellen Lebens. Dies hat das breite öffentliche Interesse, von dem die Eröffnung der neuen Elbphilharmonie – auch jenseits der Kostendiskussion – nicht nur hierzulande, sondern auch im Ausland begleitet wird, einmal mehr gezeigt. Welche Bedeutung Konzerthäusern in der Öffentlichkeit zukommt, spiegelt sich nicht zuletzt auch in den Debatten wider, wie sie aktuell in München, aber auch in anderen Städten, etwa in Bonn, Bochum oder Saarbrücken, um den Bau neuer Spielstätten geführt werden bzw. geführt worden sind. Dabei geht es nicht nur um Gebäude, die der Aufführung von Musik dienen, sondern vor allem auch um Konzepte, die durch die Öffnung von Kultur für breite Bevölkerungsschichten eine große gesellschaftliche Wirkungskraft entfalten. Darüber hinaus prägen Konzerthäuser maßgeblich die infrastrukturelle Entwicklung der Städte, in denen sie beheimatet sind, und die durch zahlreiche Neubauten in den vergangenen Jahrzehnten geschaffene Konzerthausdichte in Nordrhein-Westfalen hat – insbesondere im Ruhrgebiet – zur kulturellen Aufwertung einer ganzen Region geführt.



Was ist ein Konzerthaus?

Im Gegensatz zu einem Opernhaus, dessen Grundidee sich seit seiner Erfindung nicht wesentlich verändert hat, ist die Frage, was ein Konzerthaus ausmacht und wie es sich von anderen Veranstaltungsstätten abgrenzt, nicht leicht zu beantworten. In einem Opernhaus führt ein hauseigenes Ensemble ein spezielles Repertoire, nämlich Opern und andere Gattungen des Musiktheaters, auf, wobei eine künstlerische Leitung, die Intendanz, die künstlerisch wegweisenden Entscheidungen trifft. Zwar verfügen auch die meisten Konzerthäuser über entsprechende Leitungspositionen, bis auf wenige Ausnahmen aber wird ihr Spielbetrieb nicht durch eigene Ensembles bestimmt.

Berliner Philharmonie, © Schirmer, Berliner Philharmoniker Mit seinem Entwurf der Berliner Philharmonie aus dem Jahr 1963 setzte Hans Scharoun neue Maßstäbe in der Konzerthausarchitektur. Ihr Programm zeichnet sich insbesondere durch Gastspiele von renommierten Künstlerinnen und Künstlern, Orchestern und Ensembles aus der ganzen Welt aus. Dennoch sind Konzerthäuser keine „Abspielbetriebe“, also Spielstätten, die lediglich der Vermietung an externe Veranstalter und somit der mehr oder weniger willkürlichen Abfolge von Auftritten durchreisender Stars oder lokaler Ensembles dienen. Sie sind auch nicht als reine Mehrzweckbetriebe konzipiert, in deren Rahmen neben klassischen Konzerten auch außermusikalische Veranstaltungen wie Tagungen, Messen, Kongresse oder Theateraufführungen stattfinden. Im Gegenteil zeichnen sich Konzerthäuser durch eine individuelle und auf einen größeren zeitlichen Zusammenhang bezogene künstlerische Programmgestaltung aus, die im Regelfall von einer Intendanz in Zusammenarbeit mit hausinternen künstlerischen Abteilungen bestimmt wird, deren Anspruch es ist, mit einem eigenen künstlerischen Profil entscheidende programmatische Impulse zu setzen. Statistik zu Veranstaltungen der Konzerthäuser nach Musikrichtungen und Genres, © Deutsches Musikinformationszentrum Das Programm der Konzerthäuser ist breit gefächert, wie die auf einer Erhebung des MIZ beruhende Statistik zu Veranstaltungen nach Musikrichtungen und Genres zeigt. Neben den entsprechenden architektonischen Voraussetzungen – der Einrichtung eines oder mehrerer akustisch optimaler Säle zur Aufführung von symphonischen und kammermusikalischen Werken – verfügen Konzerthäuser über einen dichten Spielbetrieb, dessen Bandbreite über den tradierten Werke-Kanon der klassischen Musik hinaus eine große Vielfalt auch anderer Stile und Genres berücksichtigt: von Alter und Neuer Musik über Veranstaltungen aus dem Jazz-, Rock- und Pop-Bereich bis hin zu Globaler Musik und Crossover. Einerseits wird der Spielbetrieb der Konzerthäuser von meist weltweit konzertierenden Ensembles und Solisten bestritten. Andererseits verfügen Konzerthäuser – etwa die Berliner Philharmonie, das Leipziger Gewandhaus oder das Konzerthaus Berlin – bis auf einige Ausnahmen über hauseigene Ensembles, die das Programm entscheidend prägen. So werden Konzerthäuser insgesamt – wie man sieht – durch eine Reihe von Merkmalen bestimmt. Statistik zu Spielstätten, Trägern und Betreibern der Konzerthäuser, © Deutsches Musikinformationszentrum Die Vielfalt der Konzerthauslandschaft zeigt sich nicht zuletzt in den unterschiedlichen Betriebsformen der einzelnen Häuser. Deren Grenzen sind jedoch fließend, und da sich die einzelnen Konzerthäuser in vielerlei Hinsicht oft voneinander unterscheiden – etwa in Betriebsformen, Leitungsstrukturen oder inhaltlicher Ausrichtung –, bestätigen mitunter Ausnahmen hier die Regel. Zwölf Häuser haben sich zur Deutschen Konzerthauskonferenz zusammengeschlossen, einer Interessenvertretung, deren Ziel es ist, sich für den Erhalt, den Ausbau und die Weiterentwicklung des deutschen Konzertlebens einzusetzen. Daneben existieren einige wenige weitere Konzerthäuser mit vornehmlich lokaler und regionaler Bedeutung, die nach anderen, wenn auch ähnlichen Prinzipien funktionieren. So unterscheiden sie sich etwa in der inhaltlichen Ausrichtung ihres Gesamtprogramms oder der Dichte des Spielbetriebs (vgl. Auswahl in der rechten Spalte).

Individuelle Programmgestaltung

Kölner Philharmonie, Foto: Jörg Hejkal, © KölnMusik Die Kölner Philharmonie feierte in der Spielzeit 2016/17 ihr 30-jähriges Bestehen. Mit ihrer Programmgestaltung setzen die Konzerthäuser überregional wahrgenommene Schwer- und Identifizierungspunkte, die – eingebettet in eigens entwickelte konzertdramaturgische Konzepte – die Individualität jedes einzelnen Hauses prägen: So räumt etwa die Kölner Philharmonie der zeitgenössischen Musik seit jeher einen großen Stellenwert ein, während das Leipziger Gewandhaus in der Vergangenheit immer wieder mit großen symphonischen Zyklen auf sich aufmerksam machte; mit konzertanten Opernaufführungen erweitern etwa die Berliner Philharmonie und das Konzerthaus Dortmund ihr Angebot; auch Schwerpunkte, die bestimmte Ensembles oder Künstler in den Mittelpunkt rücken – beispielsweise in Residenzen wie am Konzerthaus Berlin oder der Essener Philharmonie, aber auch als Fokus-Konzertreihe wie an der Alten Oper Frankfurt –, Kooperationen und hauseigene Festivals, vor allem auch im Bereich der Neuen Musik, zeigen deutlich die Gestaltungsvielfalt der Programme an den Konzerthäusern, deren Hauptaugenmerk darauf liegt, möglichst viele und unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen und ein Angebot auf höchstem musikalischen Niveau zu bieten.

Angebote für das 21. Jahrhundert

Statistik zu Besuchern der Konzerthäuser, © Deutsches Musikinformationszentrum Allein in der Saison 2012/13 waren über 4,3 Millionen Besucher in den Konzerthäusern in Deutschland zu Gast. Mit ihren vielseitigen Konzepten ziehen die Konzerthäuser in Deutschland Jahr für Jahr ein breites Publikum an, das sich je nach Region und Konzerthaus unterschiedlich zusammensetzt: Nach Angaben einer vom MIZ durchgeführten Erhebung waren über 4,3 Millionen Menschen allein in der Saison 2012/13 in den Mitgliedshäusern der Deutschen Konzerthauskonferenz sowie in Häusern, die nach ähnlichen Prinzipien funktionieren, zu Gast. Um auch in Zukunft noch vor vollen Sälen zu spielen, ist es heute wichtiger denn je, auf die Zuhörerschaft von morgen zuzugehen. So wenden sich die Konzerthäuser mit zahlreichen Musikvermittlungs- bzw. Education-Programmen nicht nur an Kinder- und Jugendliche, sondern auch an Erwachsene, die bislang nie oder kaum mit klassischer Musik in Berührung gekommen sind. Auch im konkurrierenden Umfeld digitaler Musikprodukte stehen Konzerthäuser immer größeren Herausforderungen gegenüber, die neue strategische Überlegungen erfordern und auch in Zukunft dafür sorgen werden, dass sich – mediale Produkte wie das PhilharmonieTV der Kölner Philharmonie oder die Digital Concert Hall der Berliner Philharmonie zeigen dies – ihre Ansprache an das Publikum stetig weiterentwickeln wird. Aufgrund der Singularität ihres Programmspektrums, der einzigartigen Erfahrung, live an einer hochrangigen musikalischen Aufführung teilzunehmen, ist die Anziehungskraft der Konzerthäuser noch immer ungebrochen. Als wandlungsfähige Kulturform ist die Institution Konzerthaus auch für die Zukunft gut gerüstet.

Vertiefende Informationen zur Konzerthauslandschaft in Deutschland präsentiert der Fachbeitrag Konzerthäuser in Deutschland von Benedikt Stampa, der im Auftrag des Deutschen Musikinformationszentrums entstanden ist.

 

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Stand: 9. Januar 2017

 

 

 

Mehr zum Thema

 

Fachbeitrag:

Benedikt Stampa: Konzerthäuser in Deutschland


Institutionen:

Elbphilharmonie Großer Saal, © Iwan Baan

Konzerthäuser bieten mit ihrem regelmäßigen Gastspielbetrieb vom klassischen Repertoire über Alte und Neue Musik bis hin zur Popularmusik ein breites inhaltliches Spektrum. Mit eigenem künstlerischen Profil setzen sie entscheidende programmatische Impulse.

Die nachfolgenden Einzeldarstellungen verzeichnen die zwölf Mitglieder der Deutschen Konzerthauskonferenz sowie weitere, nach Organisation und programmatischer Ausrichtung vergleichbare Konzerthäuser. Sie beinhalten Informationen über Saalkapazitäten, Träger und Betreiber, das jeweilige Veranstaltungsspektrum sowie Leitungsstrukturen der einzelnen, überwiegend Intendanz-geführten Häuser.

 

Baden-Baden – Festspielhaus Baden-Baden

Berlin – Berliner Philharmonie

Berlin – Konzerthaus Berlin

Bremen – Die Glocke – Das Bremer Konzerthaus

Dortmund – Konzerthaus Dortmund

Düsseldorf – Tonhalle Düsseldorf

Essen – Philharmonie Essen

Frankfurt/Main – Alte Oper Frankfurt

Hamburg – Elbphilharmonie Hamburg – Laeiszhalle

Köln – Kölner Philharmonie

Leipzig – Gewandhaus zu Leipzig

Ludwigshafen – BASF-Feierabendhaus

Lübeck – Musik- und Kongresshalle Lübeck

München – Gasteig

Stuttgart – Liederhalle Stuttgart

 

Weiter zur Gesamtübersicht des MIZ zu Konzerthäusern in Deutschland.

 

Ebenso prägend für die Konzertlandschaft sind weitere Spielstätten mit vornehmlich lokaler oder regionaler Bedeutung, die sich von den oben genannten Häusern u.a. in der programmatischen Ausrichtung oder der Dichte ihres Spielbetriebs unterscheiden. Eine Auswahl:

 

Bielefeld – Rudolf-Oetker-Halle

Freiburg/Breisgau – Konzerthaus Freiburg

Nürnberg – Meistersingerhalle Nürnberg

Potsdam – Nikolaisaal Potsdam

 

 

Statistiken:

Spielstätten, Träger und Betreiber der Konzerthäuser

Veranstaltungen der Konzerthäuser nach Musikrichtungen und Genres

Eigen- und Fremdveranstaltungen der Konzerthäuser

Besucher der Konzerthäuser

 

 

Presse:

Pressemitteilung: Konzerthäuser in Deutschland - MIZ präsentiert Hintergründe zu Strukturen und aktuellen Entwicklungen der Konzerthauslandschaft

 

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