Statistiken zum Musikleben in Deutschland

Deutschland ist nach wie vor ein Land der Musik. Mit mehr als 80 professionellen Musiktheatern und 135 öffentlich finanzierten Sinfonie- und Kammerorchestern sowie einem Netz von weit über 1.000 Musikschulen, Musikhochschulen und weiteren Ausbildungsinstituten und Forschungsstätten wird das Musikleben der Bundesrepublik Deutschland noch immer durch eine außergewöhnliche Fülle an unterschiedlichen musikalischen Einrichtungen gekennzeichnet. Ihren Ursprung hat diese Vielfalt und Dichte in einer über Jahrhunderte gewachsenen Musiktradition, die sich in den deutschen Kleinstaaten mit ihren zahlreichen kulturellen Zentren im 17. und 18. Jahrhundert festigte und in der bürgerlichen Epoche sowie im 20. Jahrhundert weiter entwickelte und ausdifferenzierte. Große Komponisten und Interpreten, vom Barock über die Klassik und Romantik bis zur Zeitgenössischen Musik haben die Musikgeschichte Deutschlands entscheidend geprägt und eine nationale und internationale Ausstrahlung entfaltet, die bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat.


Das Musikleben in Deutschland gestaltet sich – wie Kultur und Bildung insgesamt – im Rahmen einer dezentralen Ordnung, die in den 16 Bundesländern eine vielschichtige, von unterschiedlichsten Initiativen und Institutionen geprägte Musikkultur entstehen ließ. Das Spektrum reicht dabei von der Alten Musik mit ihren zahlreichen Spezialensembles und Festivals bis zu den breit gefächerten Szenen der Zeitgenössischen und der populären Musik und umfasst die musikalische Bildung und Ausbildung ebenso wie das Laienmusizieren, die Medien und die Musikwirtschaft. Neben der Bundeshauptstadt Berlin mit ihrer vielfältigen und lebendigen Musikszene verfügen auch Städte wie z.B. Köln, Frankfurt, München, Hamburg, Düsseldorf, Stuttgart, Dresden oder Leipzig sowie viele mittlere und kleinere Kommunen über zum Teil Jahrhunderte alte Musiktraditionen von überregionaler Bedeutung.


Mehr als 2,4 Milliarden Euro stellt die öffentliche Hand jährlich für die musikalische Infrastruktur in Deutschland zur Verfügung, das entspricht einem Anteil von rund 30 Prozent aller Kulturausgaben. Der Großteil entfällt dabei auf die öffentlichen Musiktheater und Symphonieorchester, die mit rund 1,6 Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln etwa 80 Prozent ihres Gesamtetats bestreiten. Doch hat die angespannte konjunkturelle Lage auch in Deutschland erkennbare Spuren hinterlassen: Viele Einrichtungen sind Sparmaßnahmen bereits zum Opfer gefallen oder müssen mit zum Teil massiven Etatkürzungen ihren Betrieb aufrecht erhalten. Allein die Zahl der öffentlich finanzierten Sinfonie- und Kammerorchester verringerte sich von ursprünglich 168 im Jahr 1992 auf derzeit 135. Die ausgewiesenen Musikerplanstellen gingen dabei um fast 16 Prozent zurück.


Nachfolgend können nur einige zentrale Aspekte im Überblick dargestellt werden:

  • Das Laienmusizieren hat in Deutschland eine große Tradition und ist bis in die Gegenwart hinein noch immer ein wesentliches Merkmal unserer Musikkultur. über 7 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland in ihrer Freizeit in unterschiedlichsten Ensembles, von Chören, Sinfonie-, Blas-, Zupf- und Akkordeonorchestern bis zu Rock-, Pop- Jazz- und Folkgruppen. Mehr als 80.000 Ensembles sind in den Verbänden des Laienmusizierens organisiert, die Zahl der Rock- und Popgruppen wird auf über 50.000 geschätzt. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter den aktiven Instrumentalisten bzw. Sängern beläuft sich im Durchschnitt auf über 60 Prozent.


  • An allgemein bildenden Schulen ist Musik i.d.R. von Klasse 1 bis 10 Pflicht- bzw. Wahlpflichtfach mit 1-2 Stunden Musikunterricht pro Woche; in der gymnasialen Oberstufe (Klasse 11-12 bzw. 13) kann Musik als Grund- oder Leistungskurs gewählt werden, ein Angebot, das etwa ein Viertel aller Schüler in der Oberstufe wahrnimmt. An zahlreichen Schulen existieren darüber hinaus Orchester, Chöre, Bands und andere Ensembles sowie Musikarbeitsgemeinschaften als freiwillige Angebote, in denen die Schüler musizieren oder sich anderweitig mit Musik befassen. Einen darüber hinausgehenden Schwerpunkt im Bereich der musikalischen Bildung bieten derzeit etwa 350 allgemein bildende Schulen in unterschiedlicher Ausprägung an.


  • Außerhalb der allgemein bildenden Schule wird Musikunterricht mit Schwerpunkt im Bereich der Instrumentalausbildung an öffentlich geförderten und privaten Musikschulen, von privaten Musikerziehern, an Volkshochschulen und in Laienorchestern erteilt. Allein an den 940 öffentlich geförderten Musikschulen haben etwa 900.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene Angebote in Form von Instrumental- und Gesangunterricht, musikalischer Früherziehung und Grundausbildung oder Ensemblefächern belegt. Daneben werden schätzungsweise weitere 360.000 Schülerinnen und Schüler an Privatmusikschulen bzw. von privaten Musikerziehern unterrichtet, weitere 100.000 Musikbegeisterte, vorwiegend Erwachsene, bilden sich jährlich in Kursen an den Volkshochschulen fort.


  • Die berufliche Musikausbildung findet in Deutschland an zahlreichen Musikhochschulen, Musikakademien, Konservatorien und Kirchenmusikschulen, Wissenschaftlichen Hochschulen und einigen Spezialausbildungsstätten statt. In den Studiengängen für Musikberufe an Hochschulen sind derzeit rund 26.000 Studierende eingeschrieben, die sich zu je einem Drittel auf die musikpädagogischen, die musikalisch-künstlerischen und sonstige Studiengänge (darunter insbesondere Musikwissenschaft) verteilen. Rund 4.000 Studierende jährlich schließen ihr Studium an einer Hochschule ab, darunter 1.800 Instrumental- bzw. Orchestermusiker und 800 Musiklehrer für allgemein bildende Schulen.


  • Die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft ist in ihrer Dichte und Vielfalt nach wie vor außergewöhnlich. Derzeit existieren 128 öffentlich finanzierte Sinfonieorchester, darunter 82 Theaterorchester, die überwiegend die Sparten Oper, Operette, Musical der Stadt-, Staats- und Landestheater bedienen, 32 Konzertorchester, die überwiegend oder ausschließlich im Konzertsaal tätig sind, sowie 14 Rundfunk- und Rundfunksinfonieorchester. Hinzu kommen 7 öffentlich finanzierte Kammerorchester sowie eine Vielzahl an professionellen und semiprofessionellen Ensembles, darunter rund 80 Kammerorchester, 160 Spezialensembles für Alte und 180 für Zeitgenössische Musik, die das Musikleben ebenfalls in bedeutendem Maße prägen. Die Zahl der öffentlich finanzierten Musiktheater beläuft sich auf 80; sie wird ergänzt durch zahlreiche private Musiktheater und Musicalbühnen mit oftmals speziellen Repertoireschwerpunkten. Zusammen bildet diese Gruppe die Basis für hochwertige Musikproduktionen und ambitionierte Programmpolitik in Deutschland.


  • Musikfestspiele und -festivals spielen im Musikleben der Bundesrepublik Deutschland eine bedeutende Rolle. Insbesondere seit dem Ende der 1980er Jahre setzte in Deutschland eine Gründungswelle von Festivals ein, die inzwischen zu einer Festivallandschaft von zuvor nicht gekannter Dichte und Vielfalt geführt hat. Verzeichnete das Deutsche Musikinformationszentrum 1993/94 in seinen Datenbanken erst 136 regelmäßig stattfindende Festivals, so sind es heute bereits über 400, davon je rund ein Drittel im Bereich der Zeitgenössischen Musik und im Bereich des Rock, Pop und Jazz.


  • Der öffentlich-rechtliche Rundfunk (Hörfunk und Fernsehen) ist ausgehend von der föderalen Struktur der Bundesrepublik Deutschland in Landesrundfunkanstalten organisiert. Dadurch trägt er in allen Teilen des Landes zur Entwicklung des Kultur- und Musiklebens bei. Die 12 Sendeanstalten, darunter auch die bundesweiten Sender Deutsche Welle und Deutschlandradio, strahlen täglich 1.000 Stunden Musik aus. Durch ihr Engagement in den unterschiedlichsten Bereichen, z.B. in der Zeitgenössischen und Alten Musik, im Jazz oder in der anspruchsvollen Popularmusik, hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk die musikkulturelle Entwicklung entscheidend geprägt. Neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem existiert in Deutschland eine Fülle an privaten Rundfunkanbietern. Der private Rundfunk bestreitet seine Sendungen nahezu ausschließlich mit Popularmusik, während der Musikanteil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks rund ein Viertel Klassische Musik beinhaltet. Hinsichtlich der Nutzung liegen die Hörfunkprogramme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit über 52% der Bevölkerung vor den privaten mit 43%.


  • Die Musikwirtschaft umfasst ein breites Spektrum von unterschiedlichen Einzelbranchen und freiberuflichen Gruppierungen. Rund 20.000 Betriebe, darunter Konzert- und Künstleragenturen, Musikverleger, Instrumentenbauer, Tonträgerhersteller, Tonstudios und Hersteller von phonotechnischen Geräten sowie ein breit verzweigtes Netz an Musikfachhändlern erreichten im Jahr 2002 (letzter Stand) ein Umsatzvolumen von 15 Milliarden Euro. über 80.000 Mitarbeiter (ohne freiberuflich Tätige und geringfügig Beschäftigte) waren zu diesem Zeitpunkt in der Branche beschäftigt. In fast allen Wirtschaftszweigen gingen die Umsätze in den letzten Jahren jedoch zurück, besonders betroffen waren die Tonträgerhersteller.


  • Die weit reichende finanzielle Unterstützung der Musikkultur durch die öffentliche Hand hat in Deutschland eine lange und bis in die Gegenwart wirkende Tradition. Ohne die Zuwendungen von Bund, Ländern und Gemeinden wären Qualität und Vielfalt des heutigen Musiklebens nicht denkbar. Von den rund 2,4 Milliarden Euro an musikbezogenen Ausgaben im engeren Sinn entfielen im Jahr 2001 (letzter Stand) 57% auf die Kommunen und 41% auf die Bundesländer. Die Ausgaben des Bundes beliefen sich aufgrund der föderalen Struktur der Bundesrepublik Deutschland auf lediglich 1,3% (ohne Ausgaben für die auswärtige Musikförderung und übergeordnete Aufgabenstellungen). Neben der unmittelbaren finanziellen Unterstützung prägen auf Bundesebene auch gesetzliche Regelungen in der Steuer- und Sozialpolitik (z.B. Künstlersozialversicherung), aber auch in der Jugend-, Rechts-, Wirtschafts- und Außenpolitik bestimmte für die Entwicklung des Musiklebens bedeutsame Bereiche. Auf Landesebene werden insbesondere Rahmenbedingungen für Schulen, Hochschulen, Jugend- und Laienmusikpflege sowie Bibliothekswesen gesetzt.